Berlin „Bei Nachtfahrten kann ein Kassettenrekorder mit einem Märchenband Wunder wirken“, riet die Stiftung Warentest den Lesern 1973. Für Autokindersitze hieß es auch damals: Crashtest statt Märchenstunde – mit einer Aufprallgeschwindigkeit ab 15 Kilometer pro Stunde. „Schon bei diesem relativ sanften Blechschaden-Unfall bogen sich einige Rohrgestelle nach vorn“, stellten die Prüfer damals fest.

Schadstoffe im Sitzbezug

Heute prallen die Test-Dummies der Stiftung Warentest mit 64 km/h gegen die Wand. Beim Frontalcrash versagte der Chicco Oasys i-Size. Die Stiftung Warentest warnt in der Zeitschrift „test“ (6/19) davor, den Sitz zu verwenden. Das Gurtschloss riss aus der Sitzschale heraus. Bei einem Unfall würde das Kind aus dem Sitz geschleudert – ein akutes Sicherheitsrisiko. Chicco bietet Kunden den Austausch des anfälligen Gurtschlosses an.

Seit dem Jahr 2000 müssen die Sitze bei der Stiftung Warentest auch den Seitenaufprall überstehen. Und seit 2011 werden Sitzbezüge auf Schadstoffe geprüft. Der Maxi-Cosi Tobifix für Kinder von ein bis vier Jahren verdirbt sich seine sonst guten Noten durch TCPP. Das Flammschutzmittel steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und hat in einem Kindersitz nichts zu suchen. Das Warentest- Urteil daher: mangelhaft.

31 Kindersitze hat die Stiftung Warentest aktuell geprüft, die meisten sind gut – einige aus früheren Untersuchungen sind sogar noch besser. Teuer muss Qualität nicht sein. Der gute Nania Beone SP kostet 50 Euro, der beinahe sehr gute Cybex Aton 5 rund 130 Euro. In fast allen Klassen sind gute Modelle für etwa 200 Euro zu haben.

Bis 2013 teilte die EU Autokindersitze laut Norm in Gewichtsklassen ein. Dann kam die neue, strengere i-Size-Norm dazu. Sie steht unter anderem für eine Einteilung nach Körpergröße. Der Seitenaufpralltest ist seither Pflicht. Kinder bis zum 15. Monat müssen gegen die Fahrtrichtung transportiert werden. Bislang sind beide Normen gültig, i-Size soll aber langfristig die alte Regelung ablösen.

Eine Besonderheit ist der Apramo All Stage: Er soll ab Geburt bis 36 Kilogramm Gewicht des Kindes mitwachsen und damit für alle Altersgruppen geeignet sein. Doch der Spagat geht zulasten der Sicherheit. „Erhöhtes Verletzungsrisiko beim Frontcrash“, fanden die Prüfer. Unfallsicherheit und Gesamturteil sind nur ausreichend.

Mit dem Jade schickt Maxi-Cosi erstmals ein System für i-Size ins Rennen, bei dem Neugeborene bis etwa zum sechsten Monat quer zur Fahrtrichtung mitfahren. Der Clou: Die Babywanne lässt sich als Kinderwagenaufsatz nutzen, ist besonders sicher, braucht aber Platz.

Vergessliche Eltern

Fahren die Kleinen mit, schlummern sie oft ein. Am Ziel angekommen, verlassen manche Eltern das Auto, lassen die Kleinen aber im Sitz – um sie im Schlaf nicht zu stören oder einkaufen zu gehen. Keine gute Idee! In einigen Fällen starben Kinder, zum Beispiel an Hitzschlag. Eine neue Funktion soll helfen, die Kleinen nicht zu vergessen.

Kein Witz: Eine Kontaktmatte unterhalb der Sitzfläche oder ein Sensor im Gurt überwachen, ob das Kind sitzt. Entfernen sich die Eltern, während der Sitz belegt ist, empfangen sie auf dem Smartphone ein Signal, einen Warnton. Die Bluetooth-Verbindung ist die Sicherheitszone. Solange alle im Auto sind, ertönt kein Signal, sondern erst wenn die Erwachsenen die Bluetooth-Reichweite überwinden. Ganz Vergessliche können auch Nummern hinterlegen, an die sich das Notfallsystem wenden soll.

In Italien ist das System ab diesem Sommer Pflicht. Hierzulande ist es von Chicco und Cybex optional erhältlich. Andere Hersteller bieten auch Sets zum Nachrüsten an.

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