Dokumentarfilm
Mit dem VfB Oldenburg durch Himmel und Hölle

Das Projekt des Vereins Werkstattfilm über die 120-jährige Geschichte des VfB Oldenburg feiert am Freitag Premiere. Wir zeigen zwei exklusive Ausschnitte.

Bild: Oldenburger Medienarchiv/Werkstattfilm
Das waren Zeiten: In den 50er-/60er-Jahren spielten der Hamburger SV (am Ball mit Uwe Seeler) und der VfB Oldenburg in der Oberliga Nord gegeneinander. 30 000 Zuschauer drängten sich im Marschweg-Stadion.Bild: Oldenburger Medienarchiv/Werkstattfilm
Bild: Oldenburger Medienarchiv / Werkstattfilm
Fanmarsch: Über die Cäcilienbrücke ging’s zum Marschwegstadion, wo das Derby gegen den SV Meppen auf dem Spielplan stand.Bild: Oldenburger Medienarchiv / Werkstattfilm
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Oldenburg Zwischen Himmel und Hölle liegt ein weites Feld. Gemäß einer volkstümlichen Definition befinden wir uns im Himmel, wenn das Essen italienisch, die Autos deutsch, die Polizisten britisch und die Liebhaber französisch sind. In der Hölle sind wir gelandet, wenn die Autos aus Frankreich sind, die Köche aus England, die Polizei aus Italien und, na ja, die Liebhaber von sonst wo.

Doch so einfach ist die Sache hier nicht, denn es geht um den VfB Oldenburg. Der hat ein absolut ernstes Stück der Stadtgeschichte geschrieben. „Zwischen Himmel und Hölle” heißt eine filmische Dokumentation, die sich mit diesem Kapitel befasst. An diesem Freitag um 19 Uhr feiert der Film im bereits ausgebuchten Kulturzentrum PFL seine Premiere.

Werkstattfilm arbeitet zwei Jahre am Projekt

Zwei Jahre lang haben die vorwiegend ehrenamtlich arbeitenden Filmemacher von Werkstattfilm Mosaiksteine aus 120 Jahren Vereinsgeschichte zusammengetragen. Es ist ein zeitgeschichtlich und gesellschaftspolitisch vielfältiges Bild der „Bewegung in Blau und Weiß” entstanden. Die Dokumentation stimmt nachdenklich, macht durchaus auch traurig. Aber wer irgendwie in einem Winkel seines Herzens eine Nische für das Phänomen VfB offen hält, schöpft auch wieder Mut: Das Kapitel kann nicht abgeschlossen sein!

Farschid Ali Zahedi von Werkstattfilm erkannte bei der Arbeit, „dass an der Stelle einer der größten Bürger-Bewegungen in der Stadt eine Lücke klaffte.“ Es gab kaum Dokumente. So erzählen Zeitzeugen, welche Bedeutung der Fußballplatz in Donnerschwee als gesellschaftlicher Leim für die Bürger hatte. Er war nach dem Krieg jene Stätte, an der sich Alt-Oldenburger und Neubürger aus dem Osten erstmals auf Augenhöhe trafen. Und Maler Klaus Beilstein erklärt ganz einfach: „Jeden zweiten Sonntag sind wir nach Donnerschwee gepilgert – wer dort nicht hinging, war Außenseiter.”

Erinnerungen ans VfB-Klubhaus in Donnerschwee

Es sind diese kleinen Episoden, die den Zeitgeist über den Fußball widerspiegeln. Über viele Jahre gehörte es sich, zur Halbzeit mal vom Platz runter und über die Straße zum „Klubhaus” zu gehen. Dort hatte Gastwirt Hennecke die Biere schon vorgezapft. Und dann ging man eben wieder zurück, ohne Video-Überwachung und Polizeipräsenz. Kann es sein, dass es mal Zeiten mit größerer unbefangener Freiheit gab als heute?

Jendrik Punke und Jan Krieger vom Kernteam des Films sind dicht an die Fans herangerückt. „Wir haben kein klassisches Vereinsporträt gezeichnet, sondern uns den Menschen drum herum gewidmet”, sagt Krieger. „Das erzählt auf seine Weise ein Stück Stadtgeschichte”, fügt Punke an.

Die Dokumentation spannt den Bogen dazu weit: Von Zeiten, in denen kein Verein in der Stadt einen höheren Anteil an jüdischen Sportlern und Fördern hatte, bis heute. Gerade erst vor zwei Jahren sind die überaus aktiven Fans des VfB dem Julius-Hirsch-Preis bedacht worden. Das ist die höchste Auszeichnung des Deutschen Fußball-Bundes für Projekte, die sich gegen Diskriminierung wenden. So wird es zu einem der berührendsten Momente der filmischen Geschichtsstunde, wenn ein im Fanprojekt eingebundener Migrant erklärt: „Ich habe keine richtige Nationalität - ich bin Oldenburger!“

VfB aktuell: in der Haupthölle angekommen

Der siebte Himmel des VfB spannte sich immer über dem Platz, der „Hölle des Nordens“ hieß. Dort, wo der Hamburger SV mit Uwe Seeler verlor, dort, wo Europapokalsieger Borussia Dortmund fast aus dem DFB-Pokal geflogen wäre. Am Marschweg war der Himmel immer begrenzt, selbst, als die Stadt vor 25 Jahren um ein Haar Bundesliga-Standort geworden wäre.

Längst robbt der VfB die langen Korridore der Haupthölle entlang. Aktuell rangiert er in der Regionalliga zwölf Plätze hinter dem herrlich aufmüpfigen SSV Jeddeloh. Und hinter Drochtersen/Assel und Egestorf/Langreder. Das sieht verdammt nach siebter Hölle aus, der schlimmsten, die es gibt.

DVD kostet 18,97 Euro

Humor und Augenzwinkern lassen sich die Filmemacher nicht nehmen. 18,97 Euro kostet die DVD. Warum nicht 18,99, wie üblich? Klarer Fall: „Der Verein heißt schließlich VfB von 1897!“
Weitere Vorführungen finden im Kinoladen, Wallstraße 24, statt: am 25. und 28. Oktober, am 8. und 11. November, am 6. und 9. Dezember. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Reservierungen unter 12180 und info@werkstattfilm.de Verkauft wird die DVD bei Werkstattfilm, Wallstraße 24, sowie ab Freitag auch im NWZ-Medienhaus, Peterstraße 28-34.

Verlosung: Hier gibt es eine DVD „Zwischen Himmel und Hölle“ sowie 10 Original-Filmplakate zu gewinnen.

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