Schwei Kinder brauchen nicht nur weibliche Vorbilder, sondern auch männliche. Die Schweier Kindertagesstätte Lüttje Lüü ist vielen Einrichtungen auch in dieser Beziehung voraus und beschäftigt sogar zwei Männer.

Den einen kennen die Kinder schon seit Jahren: Es ist der Erzieher Radek Michalski, der inzwischen ganztags beschäftigt ist. Der andere ist seit Februar an Bord: der Koch Peter Kolditz. Der 49-Jährige Rodenkircher ist gehbehindert und deshalb in der Einrichtung besonders willkommen. Denn seit die integrative Kita im vergangenen Sommer eine 26-Jährige mit leichter Lernbehinderung als Krippenhelferin aufgenommen hat, sollte noch ein zweiter Mensch mit Behinderung eingestellt werden.

Opfer auf sich genommen

Auch Radek Michalski war in der Einrichtung von Anfang an willkommen. Das lag nicht nur an der Einrichtung, sondern vor allem an ihm. Denn er hat viele Opfer auf sich genommen, um an diesen Arbeitsplatz zu kommen, der nur in finanzieller Hinsicht kein Traumjob für ihn ist.

Schon als Jugendlicher hatte sich der 1982 Geborene im Jugendzentrum Rodenkirchen viel um Gruppenarbeit und Projekte gekümmert. „Das Soziale liegt dir, mach was draus“, sagte der damalige Leiter André Ziermann zu ihm. Doch Radeks Vater wollte, dass der einzige Junge unter seinen sechs Kindern einen Männerberuf ergreift. So absolvierte er bei L.I.T. in Brake eine Ausbildung zum Speditionskaufmann, erreichte einen guten Abschluss und wurde übernommen.

Doch es nagte so gewaltig in ihm, dass er mit 23 Jahren einen Entschluss fasste, vor dem viele zurückgeschreckt wären: Er warf alles hin und begann ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe in Brake. Und er merkte: Das ist es! Danach fasste er einen noch mutigeren Entschluss und startete 2006 eine Ausbildung zum Sozialassistenten und zum Erzieher an der Fachschule für Sozialpädagogik in Elsfleth. Das bedeutete vier Jahre ohne Einkommen. Radek Michalski überstand sie, indem er nach der Schule bei der Lebenshilfe arbeitete.

Alle Praktika absolvierte er in Schwei – auch das ist ungewöhnlich. Doch es hatte sofort gefunkt, und nach dem Abschluss fing er am 1. August 2010 mit einem Zeitvertrag mit verminderter Stundenzahl in der neuen altersgemischten Nachmittagsgruppe an. Er kümmerte sich allein um sechs Kinder. Inzwischen sind es 36 Kinder in zwei Gruppen mit vier Erziehern. Nach den Sommerferien wird Michalski mit einer Hortgruppe in die Schule umziehen.

Der 32-Jährige liebt seinen Beruf, der einzige Wermutstopfen ist für ihn das Gehalt. Die Leiterin Heike Woltmann-Mehrens ist froh, ihn zu haben, denn er bringe eine andere Sichtweise und eine andere Ansprache in die Betreuung. Auch für das Frauen-Team sei die Anwesenheit eines Mannes belebend.

Ins Herz geschlossen

Froh ist sie auch über Peter Kolditz. Bis Anfang des Jahres war der 49-Jährige in der Küche der Werkstatt für Behinderte des CVJM-Sozialwerks am Helgoländer Damm in Nordenham tätig. Zufrieden war er schon lange nicht mehr. Deshalb wandte er sich an die Sozialpädagogin Gabriela Rix, die sich beim Sozialwerk um die Eingliederung Behinderter in den Arbeitsmarkt kümmert. Nach einem kurzen Praktikum konnte er in Schwei anfangen.

Dort haben ihn die Kinder genauso ins Herz geschlossen wie Radek. Als Peter nach einem kleinen Unfall länger krank war, fragten sie oft nach ihm. Er hilft ihnen beim Frühstück und beim Mittagessen und füttert die Krippenkinder. Noch kommt er täglich mit dem Linienbus aus Rodenkirchen, aber bald hofft er dank Spenden ein neues Dreirad mit Elektromotor zu haben.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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