Rodenkirchen Gerhard Henke kann‘s nicht fassen. Da ist er mit seiner Rentnergang von seinem Urlaubsdomizil in Abbehausen zur Schweinskopfversteigerung beim Roonkarker Mart geradelt – und prompt ersteigert er gleich das erste braun gebrannte Haupt.

Zwei Euro hat er bei der amerikanischen Versteigerung am Montagmorgen in das Geldsammelschälchen geworfen – und weil niemand sonst etwas geben wollte, hielt er Sekunden später zum Gaudium seiner Begleiter die Trophäe in den Händen. „Ich kann damit umgehen“, sagt Gerhard Henke trocken. Zu Hause in Raesfeld-Erle im südlichen Münsterland war er nämlich Metzgermeister.

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Metzgermeister ist auch Hans-Jürgen Kaliwoda. Er ist eine Institution bei der Schweinskopfversteigerung und seit Jahren für den tierischen Teil zuständig. Von dem zweiten Schweinskopf schneidet er mit dem Messer ein Stückchen Fleisch ab und gibt es Birte Moorth zum Probieren. Sie hat den Schweinskopf ersteigert – genau so unfreiwillig wie Gerhard Henke. Die Rodenkircherin will jetzt googeln, was sie in der Küche damit anfangen kann.

Da hat‘s der Elektromeister und CDU-Ratsherr Horst Wieting leichter. „Das wird eine Überraschung für meine Frau“, sagt er über seinen Schweinskopf. Auch Uwe Pargmann, der den vierten Kopf ersteigert hat, muss noch gucken, was er damit macht.

Insgesamt 114 Euro hat Andreas Decker für die vier Schweinsköpfe erlöst, die der Schausteller Peter Böseler – genau wie das übrige Fleisch – gestiftet hat. Andreas Decker schafft es, als Auktionator sympathisch und hartnäckig zugleich zu sein. Zotige Sprüche und andere verbale Entgleisungen gibt es bei dem Unternehmer, der auch Chef des Jugend- und Musikzuges Rodenkirchen ist, nicht.

Aber eine Mutprobe gibt es schon, und Malte Meyer aus Rodenkirchen besteht sie bravourös. Er soll ein Stück Schweinszitze abbeißen, das im Hans-Jürgen Kaliwoda hinhält. Wenn er‘s schafft, kriegt er 50 Euro. „Das geht eigentlich gar nicht“, verrät der Fleischermeister. Doch Malte Meyer trickst ihn aus und schluckt ein Stückchen herunter. Kaliwoda rückt die 50 Euro anstandslos heraus.

Nach den Schweinsköpfen ist der rechte Vorderschinken dran, und der geht nicht weg, ehe 171 Euro in den Schalen versammelt sind, die Charlotte Schmidt und Caterina Pedersen, zwei Auszubildende der Gemeindeverwaltung, den weit mehr als 100 Gästen des urigen Schauspiels unter die Nase halten.

„Die Sonne lacht“

Einige Münzen kommen auch von Bürgermeister Klaus Rübesamen, der inzwischen den Ausschankwagen verlassen hat, aus dem er Freibier ausgeschenkt hatte. Die Eröffnungsworte spricht die Schausteller-Vorsitzende Marlies Cattelmann: „Die Sonne lacht“, sagt sie, während einige Gäste fragend zum sehr bedeckten Himmel schauen, „und wenn‘s nur im Herzen ist.“


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Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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