Stadland Im Rodenkircher Jugendzentrum gibt es einen ganz besonderen Raum, den viele andere Jugendzentren ihren Besuchern nicht bieten können: einen Kraftraum. Klein, aber fein. Dieser Raum ist eines von vielen Beispielen für die gute Infrastruktur der Gemeinde Stadland.

Als die Gemeinde vor genau 40 Jahren, am 1. März 1974, aus der Taufe gehoben wurde, war an so etwas nicht zu denken. „Ohne Kleinensiel und das Kernkraftwerk Unterweser wäre Stadland eine der ärmsten Gemeinden in der Wesermarsch“, sagt Günter Busch, der Vorsitzende der CDU/Grünen-Mehrheit im Gemeinderat. Mit Kernkraftwerk wurde sie eine der am besten ausgestatteten Gemeinden.

Doch auch ohne Gewerbesteuern vom KKU kann die Gemeinde durchaus weitere 40 Jahre bestehen bleiben, sind sich Bürgermeister Boris Schierhold, der SPD/WPS-sprecher Siegmar Wollgam und Günter Busch einig.

Millionen investiert

Der Gemeinderat habe in den vergangenen Jahren Millionen die Infrastruktur investiert, um sie in den nächsten Jahren günstiger betreiben zu können und Geld zu sparen, sagte Schierhold. Das Programm reichte von der Grundschule Rodenkirchen über die Sporthalle in Schwei und das Dorfgemeinschaftshaus in Seefeld bis zur Krippe in Kleinensiel.

Wahrscheinlich kann schon 2015 der Haushalt nicht mehr ausgeglichen werden. Dennoch werde die Gemeinde vermutlich Bestand haben, weil größere Einheiten in ländlichen Gebieten auch nicht kostengünstiger betrieben werden könnten.

Günter Busch ist auch 40 Jahre nach der Gründung Stadlands noch anzumerken, dass er er letzte Bürgermeister der Gemeinde Esenshamm war. „Es war ein Fehler, Esenshamm zu teilen“, sagt der Kleinensieler. Vereine seien auseinandergerissen worden, die Kindergarten- und Schulversorgung habe sich verteuert. Zudem hatte sich in einer Befragung die Mehrheit der Esenshammer für Stadland und die Mehrheit der Kleinensieler für Nordenham ausgesprochen.

Als das Kernkraftwerk im August 1978 erstmals Gewerbesteuern zahlte , begann der Ausbau der Infrastruktur. Kenner der Materie schätzen, dass das KKU insgesamt 40 Millionen Euro Gewerbesteuer ans Rathaus überwiesen hat, was aber wohl nur ein Viertel seiner gesamten Steuerzahlungen sein wird.

Kein Schwimmbad

Die Gemeinde baute in Rodenkirchen, Schwei, Seefeld und Reitland neue Feuerwehrhäuser, in Seefeld und Kleinensiel Dorfgemeinschaftshäuser – das Kleinensieler auch als Sportstätte –, baute oder sanierte Sporthallen in Rodenkirchen, Seefeld und Schwei, erneuerte in allen Orten die Sportplätze, errichtete das Rathaus und die Markthalle und kaufte die Seefelder Mühle, den Schweier Krug und das Dielenschiff Hanni. Unbeliebt machte sich die damalige CDU/FDP-Mehrheit im Rat Ende der 70er Jahre, als sie den Bau des Schwimmbades ablehnte. Heute sind alle froh darüber.

Eine gute Entscheidung sei es gewesen, Dorfgemeinschaftshaus und Kindergarten in Kleinensiel zu bauen, sagt Günter Busch: „Sonst wäre es heute ein Ort wie Iffens, weil niemand mehr zugezogen wäre.“ Kleinensiel ist seit der Eingemeindung um 50 Prozent gewachsen.

Ohne teures Personal

Günter Busch ist der Überzeugung, dass Gemeinden wie Stadland mit 8000 Einwohnern zukunftsfähig sind. Allerdings dürften sie nicht mit Spezialaufgaben überfrachtet werden, für die teures Personal eingestellt werden müsse. Solche Aufgaben müssten Kreisverwaltungen leisten.

Siegmar Wollgam, Sprecher der SPD/WPS-Gruppe, stimmt die Bürger auf „unpopuläre Entscheidungen“ ein, die unvermeidlich sein würden. Denn der Haushalt der Gemeinde müsse überwiegend mit einer schwarzen Null abschließen und dürfe nicht dauerhaft von Landeszuweisungen abhängig sein, wenn Stadland selbstständig bleiben wolle. Sollte Infrastruktur zurückgebaut werden müssen, dürfe dies nur im Konsens mit der Mehrheit der Bürger geschehen.

Dazu sei externe Beratung erforderlich – etwa in Bezug auf den Bauhof und die Kindergärten.

Zu der positiven Entwicklung der Gemeinde habe das Kraftwerk – sein Arbeitgeber – wesentlich beigetragen. Es sei ein Glücksfall, dass die die hohen Gewerbesteuerzahlungen so kurz nach der Gründung Stadlands eingesetzt hätten. Dadurch habe das Zusammenwachsen von Rodenkirchen, Seefeld, Schwei und Kleinensiel positiv gestaltet werden können.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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