Stadland /Esenshamm 45 Jahre soll ein Arbeitsleben dauern. Aber nur die wenigsten erreichen dieses Ziel. Ebenfalls 45 Jahre lang ist Günter Busch jetzt in Gemeinderäten tätig – zunächst in Esenshamm und seit 1974 in Stadland. Vom ersten Tag an hat der CDU-Politiker dieses Ehrenamt ausgeübt wie einen Hauptberuf – mit tiefem Ernst und feuriger Leidenschaft. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Umfassend informiert

Für diesen jahrzehntelangen Einsatz ehrte ihn in der Ratssitzung am Donnerstagabend Bürgermeister Boris Schierhold. Von Anfang an habe Busch gradlinig seine Meinung vertreten, auch wenn sie dem einen oder anderen nicht gefallen habe, sagte Schierhold. Buschs zweites Markenzeichen sei, dass er sich allumfassend informiere, Dinge hinterfrage und sich daraus eine unabhängige Meinung bilde, die dann in politische Beschlüsse einfließe. Mit seinem großen Detailwissen habe Busch schon manchen Landes- und Bundesminister in den Schatten gestellt.

Im Namen der schwarz/grünen Gruppe gratulierte ihm Elke Kuik-Janssen, die Fraktionsvorsitzende der Grünen. Sie sprach ihre Bewunderung aus für Günter Buschs beeindruckendes Gedächtnis und sein großes Wissen und überreichte dem Geschichts-Fan das neue Buch des Küstenforschers Professor Dr. Karl-Ernst Behre zur Entwicklung des Jadebusens.

Günter Busch ist 73 Jahre alt, er wurde am 26. März 1940 auf dem Hof seiner Eltern in Havendorfersande geboren. Sein Vater kehrte aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurück. 1973 übernahm Busch den Hof von seiner Mutter.

Doch ein Jahr zuvor war ihm schon etwas gelungen, das er bis heute als einen seiner größten Erfolge wertet: Er wurde mit 32 ehrenamtlicher Bürgermeister von Esenshamm. Ausgerechnet Udo Zempel, damals noch in der CDU, hatte ihn im April 1967 für die Christdemokraten angeworben.

Und Busch leistete ganze Arbeit: Er gründete den CDU-Ortsverband Esenshamm, baute ihn auf und zog 1968 in den Esenshammer Gemeinderat ein, wo er CDU-Fraktionsvorsitzender wurde. 1972 gewann die CDU die Kommunalwahl haushoch und erreichte 51 Prozent der Stimmen. Günter Busch löste den Bürgermeister Heinz Dirksen von der FDP ab, der seit Ende des Krieges Gemeindeoberhaupt gewesen war.

Anderthalb Jahre später war Busch das Amt wieder los, weil die Gemeinde Esenshamm im Zuge der Kommunalreform am 1. März 1974 aufgeteilt wurde: Esenshamm fiel an Nordenham, Kleinensiel wurde Teil der neuen Gemeinde Stadland. Günter Busch hält diese Aufteilung bis heute für einen Fehler.

Bis heute hat er auch das Amt inne, das am 1. März 1974 übernommen hat: Seit fast 40 Jahren ist er Chef der CDU-Fraktion im Stadlander Rat, hat Bürgermeister kommen und gehen sehen – und es auch nie beim Zugucken belassen. Einmal war er sogar selbst Bürgermeister von Stadland: turnusmäßig für einen Monat, den Juni 1974.

Immer präsent

Dass man ihn den Oberbürgermeister nennt – die einen anerkennend, die anderen kritisch –, ist noch nicht so lange der Fall. Dieses Wort soll auch ausdrücken, dass Günter Busch den Laden zusammenhält. Tagaus, tagein, von morgens bis abends ist er in Angelegenheiten der Gemeinde unterwegs und in jeder Beziehung präsent: Er verhandelt, entwickelt Ideen und kämpft.

Stadland kennt er wie seine Westentasche. Und die Umgebung nicht weniger. Er war stellvertretender Kreislandwirt, gehörte der Versammlung der Landwirtschaftskammer und der Prüfungskammer für Kriegsdienstverweigerer an, war zwölf Jahre lang ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Oldenburg und gehört immer noch der Versammlung der Oldenburgischen Landschaft an.

Stolz ist Günter Busch darauf, dass aus „den dreieinhalb Gemeinden“ die eine Gemeine Stadland geworden ist, deren einzelne Teile der Rat gut ausstatten konnte – auch dank der Steuern, die das Kernkraftwerk über Jahrzehnte entrichtete. Seit 2001 führt er die Mehrheitsgruppe aus CDU und Grünen an. Dass sie so geräuschlos arbeitet und sich kein Ende andeutet, ist auch ein Verdienst von Günter Busch.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.