Glasgow (dpa) - Das Staffel-Gold als Signal zum Aufbruch: Die deutschen Schwimmer hoffen nach dem Überraschungssieg bei der Premiere der 4 x 200 Meter Freistil Mixed-Staffel auf einen positiven Effekt für die gesamte Mannschaft.

Das kann dem ganzen Team helfen", sagte Schlussschwimmerin Annika Bruhn, die im packenden Finish den Russen noch den sicher geglaubten Titel entriss. "Ich denke, so eine Goldmedaille gibt allen nochmal einen Schub.

Olympia-Teilnehmer Jacob Heidtmann, der das Quartett mit persönlicher Bestzeit angeführt hatte, dachte schon ein Stückchen weiter. "Wir wollten hier den Aufwärtstrend starten und nicht erst in Tokio. So kann es weitergehen", sagte der 23-Jährige am Weltrekordtag in Schottland. Nach dem Erfolg bei der Premiere dieser nicht-olympischen Staffel - logischerweise mit deutschem Rekord - sollen nun erstmal in Glasgow weitere Erfolge in den prestigeträchtigeren Sommerspiel-Disziplinen her.

Der Zusammenhalt in der Auswahl scheint für das ambitionierte Projekt zu stimmen. Angeführt von Chefbundestrainer Henning Lambertz erwarteten mehr als 20 deutsche Schwimmer und Coaches das Siegerteam lange nach dem Rennen in den Katakomben des Tollcross International Swimming Centre. Als Heidtmann, Henning Mühlleitner, Reeva Foos und Bruhn endlich um die Ecke kamen, ließ die Mannschaft die Gewinner mit einer La Ola hochleben. Zahlreiche Umarmungen später sagte Bruhn auf das ganze Team bezogen: "Wir wissen, wir sind gut drauf, und es läuft."

Das war bei den vergangenen Großereignissen anders. Bei den Olympischen Spielen 2016 blieben die deutschen Beckenschwimmer wie vier Jahre zuvor in London ohne Medaille. Im vergangenen Jahr sorgten zwischenmenschliche Probleme und Kritik an Lambertz rund um die WM in Budapest für Negativ-Schlagzeilen.

Ein gutes Jahr liegt zwischen den Weltmeisterschaften, bei denen Schmetterlingsschwimmerin Franziska Hentke mit Silber für die einzige deutsche Beckenmedaille gesorgt hatte, und dem diesjährigen Saisonhöhepunkt in Schottland. Betrachtet man nur die Stimmungslage im Team, muss das ein unglaublich langer Zeitraum sein. Die Erfolge an den ersten beiden Wettkampftagen, zu denen auch Mühlleitners überraschende Bronzemedaille über 400 Meter Freistil zählt, verbessern die auch schon zum EM-Start gute Laune zusätzlich.

Bestens aufgelegt waren auch Brustschwimm-Olympiasieger Adam Peaty (Großbritannien) nach 57,00 Sekunden über 100 Meter Brust und Rückenschwimmer Kliment Kolesnikow (Russland) in 24,00 Sekunden über über 50 Meter - zweimal Weltrekord. Schwedens Schwimmstar Sarah Sjöström siegte am Samstag gleich zweimal.

Eine große Ausnahme gab es allerdings: Sarah Köhler schob Frust, nachdem sie im 800-Meter-Freistil Rennen beim Sieg der Italienerin Simona Quadarella nur Rang vier belegt und die erhoffte Medaille bei den European Championships verpasst hatte. "Insgesamt war es einfach ein schlechtes Rennen", sagte die 24 Jahre alte Frankfurterin. Köhler will die Enttäuschung nun schnell verarbeiten und sich auf die Rennen über 400 und 1500 Meter konzentrieren. Zudem kann die Langstreckenspezialistin in der Freiwasser-Staffel auf EM-Ehren hoffen.

"Ich muss es abschütteln", sagte Köhler trotzig. "Ich habe keine andere Wahl." Und wer weiß, vielleicht gibt das unverhoffte Staffel-Gold auch ihr einen Schub. Am Montag steht der Start über 1500 Meter an.

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