LOS ANGELES Jetzt auch noch Dönsdorf. Nichts können Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy weniger gebrauchen als unappetitliche Geschichten um angebliche sexuelle Belästigungen durch den wichtigsten deutschen Eiskunstlauf-Funktionär. Denn mit einer erfolgreichen Verteidigung ihres Paarlauf-Titels bei den Weltmeisterschaften in Los Angeles wollen die beiden Chemnitzer eigentlich die Wahrnehmung erzwingen, die ihnen bislang versagt geblieben ist.

Nun aber redet man in Kalifornien recht viel über Sportdirektor Udo Dönsdorf und weit weniger über das Ausnahmepaar und dessen sportliche Klasse. Und Szolkowy, der mit Sawtschenko in der Kür der Paare am Donnerstagmorgen (5 Uhr/ARD) nach einer Medaille greift, hat fast schon resigniert: „Es ist keine gute Zeit für unseren Sport.“

Doch dass die beiden Sachsen und ihr Trainer Ingo Steuer seit ihrem ersten internationalen Titel vor mehr als zwei Jahren immer noch keinen Hauptsponsor vorweisen können, ist nicht die Schuld von Dönsdorf. Der Skandal fügt sich nur ein in eine Reihe von Fehlern und Ungeschicklichkeiten, die potenzielle Vermarkter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lassen.

„Wir wollen Aufmerksamkeit durch gute Leistungen erzielen, nicht durch irgendwelche Geschichten“, lautet das Credo von Coach Steuer, doch das sind Ansichten von vorgestern. Interessierte Agenturen und Manager lässt der Ex-Weltmeister an seine Athleten nicht heran, er allein genehmigt Autogrammstunden oder einen Schaulaufauftritt.

So gefühlvoll die Choreographien sind, die der 42-Jährige für sein Paar konzipiert, so wenig Fingerspitzengefühl zeigt Steuer, wenn es um wichtige Termine in der Öffentlichkeit geht. So wurden schon mehrfach Einladungen ins ZDF-Sportstudio ausgeschlagen, auch der Ehrung der Sportler des Jahres in Baden-Baden blieb man fern – und das nach einem respektablen zehnten Platz. Bekannt, wenn überhaupt, sind die aktuellen Welt- und Europameister nur durch die Stasi-Vergangenheit ihres Trainers.

Derweil gibt es für das geplante Gespräch zwischen der Deutschen Eislauf-Union (DEU) und dem Berliner Eistänzer Sascha Rabe noch keinen Termin. Der 23-Jährige wirft DEU-Sportdirektor Dönsdorf vor, ihn vor drei Jahren am Rande eines Kaderlehrgangs in Berlin sexuell genötigt zu haben.

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