Sotschi Mit Tränen in den Augen flüchtete Claudia Pechstein wortlos in die Katakomben. Die Eisschnellläuferin wollte nur noch weg und niemanden sprechen, erst in den Armen ihres Freundes Matthias Große beruhigte sie sich – und fand Kraft für ungewohnt selbstkritische Worte.

„Ich bin nicht in meinen Rhythmus gekommen. Der vierte Platz ist natürlich scheiße“, sagte die Eisschnellläuferin nach dem 3000-Meter-Lauf bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi (4:05,26 Minuten).

Halt suchend bei ihrem Lebensgefährten, versuchte die 41-Jährige in Worte zu fassen, warum die persönliche Revanche für ihre umstrittene Dopingsperre am Sonntag misslang. „Ich bin nicht zufrieden. Von Anfang an bin ich nicht gut gelaufen“, sagte Pechstein. Vor allem auf den Geraden zeigte sie Schwächen und verlor wertvolle Zeit.

Vermutlich hätte dies hinter der Niederländerin Ireen Wüst, die in Bahnrekord von 4:00,34 Minuten Gold holte, und der Tschechin Martina Sablikova (4:01,95) dennoch zu Bronze gereicht. Doch niemand hatte die Rechnung mit Olga Graf gemacht. Die Russin entriss Pechstein in 4:03,47 Minuten den dritten Platz.

Für die deutschen Biathleten endete das erste Olympia-Wochenende mit dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der Winterspiele. Seit Einführung des Wettbewerbs 1980 in Lake Placid gab es erstmals keine Medaille. Selbst zum Sprung unter die ersten Zehn reichte es nicht.

„Die Ergebnisliste liest sich schlechter als das Rennen im Endeffekt war“, sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig, der zu relativieren versuchte: „Wir wussten, dass wir Null schießen müssen, um vorne dabei zu sein. Das ist uns leider nicht gelungen.“

Bezeichnend war, dass ausgerechnet „Sorgenkind“ Evi Sachenbacher-Stehle im ersten olympischen Biathlonrennen ihrer Karriere die Beste war und im Ziel kurzzeitig auf eine Medaille hoffen durfte. Die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin verpasste durch einen Patzer im stehenden Anschlag jedoch den Sprung auf das Podest. „Ohne den Fehler würde es ganz anders aussehen“, sagte die 33-Jährige aus Reit im Winkl: „Im Verfolger lasse ich den Fehler einfach weg, dann passt das schon.“

Bei ihren letzten Winterspielen musste sich die gesundheitlich angeschlagene Andrea Henkel (Großbreitenbach/1 Fehler) mit dem enttäuschenden 22. Rang zufrieden geben. „Der Fehler ist sehr ärgerlich“, sagte die 36-jährige Thüringerin.

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