HANNOVER HANNOVER/SE - Die Affäre um einen früheren Olympia-Trainer zieht weitere Kreise. Der Landessportbund (LSB) wehrt sich nun juristisch gegen Vorwürfe, er habe den belasteten Jürgen K. um jeden Preis im Amt halten wollen. Das hatte der ehemalige Präsident des Niedersächsischen Judoverbandes (NJV) Norbert Schulz in einem Interview mit dieser Zeitung behauptet. „Wir haben gegen Herrn Schulz Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede gestellt“, sagte LSB-Präsident Wolf-Rüdiger Umbach am Montag in Hannover. Der Imageschaden für den Verband sei gewaltig.

LSB-Direktor Reinhard Rawe betonten, dass die Vorwürfe gegen Jürgen K. nichts mit seiner Tätigkeit als Judo-Trainer zu tun hätten, sondern mit seinem Beruf als Polizist. Den LSB betreffe das nicht. Das habe auch die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigt. Die Staatsanwälte ermitteln wegen fast 200 Straftaten gegen Jürgen K. Dem früheren Betreuer von Vizeweltmeisterin Anja von Rekowski wird unter anderem Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen. Jürgen K. war im März dieses Jahres festgenommen worden. Wegen möglicher Fluchtgefahr sitzt er inzwischen in Untersuchungshaft.

Umbach und Rawe verteidigten vehement das Verhalten des LSB beim ersten Verdacht gegen den Trainer im Frühjahr 2002. Damals soll es Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen gegeben haben. Man habe Jürgen K. aber nichts nachweisen können, machte Rawe deutlich. Das gelte auch für „Zeitbetrugsvorwürfe“ aus dem Sommer des gleichen Jahres. Der LSB hatte den teilweise vom Polizeidienst freigestellten Trainer über mehrere Jahre mitfinanziert. Dem Verband sei kein finanzieller Schaden entstanden, so Umbach.

Gleichwohl hatte die Prüfung des Judo-Verbandes damals schwere Mängel bei den Abrechnungen ans Licht gefördert. Zunächst sollte der NJV 13 000 DM an Fördermitteln zurückzahlen. Der LSB verzichtete aber später auf seine Forderungen. Seine jährlichen Zuschüsse an den Judo-Verband belaufen sich auf 200 000 bis 300 000 Euro. Laut Rawe kann der LSB nur die Verwendung dieser Mittel überprüfen. Auf die sonstigen Einnahmen des NJV habe man keinen Zugriff. Auch das Innenministerium hatte 2002 offenbar keine Verstöße von Jürgen K. gegen Richtlinien festgestellt.

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