SUHL Die Skisprung-Welt trauert um Reinhard Heß. Der „Mann mit der Fahne“ ist am Heiligabend im Alter von 62 Jahren in einer Klinik in Bad Berka an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. „In Reinhard Heß verlieren wir eine der wenigen Trainerpersönlichkeiten, die schon zu Lebzeiten zu einer Legende wurden“, erklärte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. „Er wird mir immer als Großer des Sports und als fantastischer Mensch in Erinnerung bleiben“, sagte der viermalige Weltmeister Martin Schmitt.

Mit Disziplin und Lebensmut rang der erfolgreichste Bundestrainer der deutschen Skispringer nach der niederschmetternden Krebs-Diagnose vor 23 Monaten der unheilbaren Krankheit noch fast zwei Jahre ab. „Ich bin dankbar, dass mir der Herrgott noch eine schöne Zeit geschenkt hat. Ich konnte viel mit meiner Frau Regina unternehmen, hatte mein zweites Enkelkind im Arm. Jetzt muss ich dem Sensenmann in die Augen schauen“, hatte Heß bereits Ende November Freunden im heimischen Suhl anvertraut. Er akzeptierte die Situation, ertrug die starken Schmerzen, setzte die Chemotherapie ab und verbrachte seine letzten Tage in der Klinik mit der Familie.

Heß führte Stars wie Jens Weißflog, Dieter Thoma, Martin Schmitt und Sven Hannawald zu drei Olympiasiegen und sieben WM-Titeln sowie Hannawald zum historischen Erfolg bei der Vierschanzentournee 2002, als er als bisher einziger Springer alle vier Konkurrenzen gewann.

„Kein anderer Trainer hat die Struktur des Verbandes so beeinflusst wie Reinhard Heß. Der DSV in seiner heutigen Form wäre ohne seine Leistungen nicht möglich gewesen, sportlich und wirtschaftlich“, sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann. Auch international genoss der ehrliche und geradlinige Fachmann als Mensch und Experte hohe Achtung. „Er war einer der besten Trainer der Welt“, sagte der Finne Hannu Lepistö, Trainer des polnischen Weltmeisters Adam Malysz.

Nach außen stellte sich Heß stets vor seine Mannschaft. Intern konnte der Motivationskünstler aber auch den Knüppel rausholen. Umso mehr war er enttäuscht, als die Vorzeigespringer im ersten Winter ohne die erhofften Erfolge hinter seinem Rücken kungelten und 2003 seinen Rücktritt provozierten.

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