Caen Die zierliche Sandra Auffarth wurde in den engen Katakomben des D“Ornano-Stadions von den Gratulanten fast erdrückt. Freund Ed musste sie immer wieder schützend in den Arm nehmen: Nach dem sensationellen Doppel-Gold bei der Reit-WM in Caen war die Vielseitigkeitsreiterin aus Ganderkesee im Oldenburger Land heiß begehrt: „Es ist unfassbar. Mir fehlen die Worte“, sagte die 27-Jährige.

Bundestrainer Hans Melzer kämpfte sich zu ihr durch und drückte seine Top-Reiterin fest an sich. „Sie ist absolut reif für den Titel, das hat sie mit Souveränität bewiesen“, meinte der Coach über Auffarth, die zum Abschluss mit ihrem Wallach Opgun Louve im Springparcours fehlerfrei blieb und das deutsche Team vor Großbritannien und den Niederlanden zum ersten Team-Gold seit 2006 führte. Als dann der Brite William Fox-Pitt mit Chilli Morning nach ihr noch einen Abwurf hatte, stand auch der Einzelerfolg fest.

„Sandra hat es sich voll verdient, sie war die letzten Jahre immer so nah dran“, sagte auch der entthronte Champion Michael Jung (52,3), der mit seinem Ersatzpferd Rocana Silber holte. Jung wurde seit 2010 zweimal Europameister, einmal Weltmeister und Olympiasieger im Einzel - mehr geht nicht. „Mit dem Ersatzpferd so weit vorne zu liegen, ist nicht schlecht“, sagte der 32-Jährige, nachdem sich sein Goldpferd Sam kurzfristig verletzt hatte.

In der Stunde des Triumphes verriet Melzer eine der Erfolgsformeln, die seine Reiter nach der Dressur und dem schweren Geländeritt wieder in Form gebracht hatten. „Wir haben auch Helene Fischer gehört. Das haben wir uns von den Fußballern abgeschaut und es hat uns beflügelt“, erklärte der Coach.

Eigentlich sollte nicht mehr gefeiert werden, die meisten Reiter wollten direkt nach der Prüfung mit den Lkw Richtung Deutschland aufbrechen. „Wir müssen wohl noch einmal umplanen“, sagte Vater Joachim Jung. Die Buschreiter waren während der WM in einem Containerdorf in der Außenstelle Haras du Pin untergebracht und nicht glücklich damit.

Auch die weiteren deutschen Reiter zeigten im Parcours starke Vorstellungen. Mannschafts-Olympiasiegerin Ingrid Klimke (Münster/73,8) wurde am Ende Sechste. Dirk Schrade (135,46) kam mit Hop and Skip auf Rang 46. Die Einzelreiter Peter Thomsen (Lindewitt/80,3) mit Barney und Andreas Ostholt (Warendorf), deren Ergebnisse nicht in die Teamwertung einflossen, rundeten mit den Rängen sieben und zehn das gute Ergebnis der Deutschen ab.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) zog nach dem Erfolg ein positives Zwischenfazit der WM nach einer Woche. „Wir hatten starke Ergebnisse in der Dressur und Para-Dressur. Und auch die Vielseitigkeitsreiter haben ein gutes Bild abgegeben“, sagte der für den Sport zuständige Geschäftsführer Dennis Peiler. „Die Medaillen waren die Krönung unserer Buschreiter.“

Wenig erfreulich war auch für die deutsche Mannschaft der Tod des Wallachs Wild Lone. Das Pferd des Briten Harry Meade brach nach dem Geländeritt zusammen. Die deutschen Reiter hatten die schwierigen Bodenverhältnisse kritisiert. „Es war das traurige Ende eines sehr anstrengenden und kräftezehrenden Geländeritts“, sagte Peiler.

Es war bereits das zweite tote Pferd bei der Reit-WM, nachdem im Distanzreiten der Wallach Dorada von der Reiterin Claudia Romero Chacon (Costa Rica) zu Tode gekommen war.

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