Salzburg /Oslo Bestechungsgelder an die Spitzen-Funktionäre, 65 vertuschte Dopingfälle – und wieder führt die Spur nach Russland: Der Biathlon-Sport versinkt in einem gigantischen Korruptionssumpf.

Nach Razzien, die am Dienstag in der Zentrale des Weltverbands IBU in Österreich, dem Wohnsitz des Präsidenten Anders Besseberg in Norwegen sowie in Deutschland erfolgt waren, treten immer mehr Details zutage. So sollen die Machenschaften mindestens bis in das Jahr 2012 zurückreichen und viele russische Sportler – gedeckt von höchster Stelle – mit verbotenen Substanzen im Körper an der WM 2017 in Hochfilzen teilgenommen haben.

„Wegen der Anwendung verbotener Substanzen, schweren Betrugs im Zusammenhang mit Doping sowie der Geschenkannahme von Bediensteten“ werde gegen Mitglieder des russischen Teams und zwei IBU-Funktionäre – die nicht benannten Besseberg und die deutsche Generalsekretärin Nicole Resch – ermittelt. Dies teilte die in Österreich federführende Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption mit. Durch Schmiergelder und durch Doping „erschwindelte Preisgelder“ gehen die Ermittler von einem Schaden in Höhe von 275 000 Euro aus.

Die Behörden beschlagnahmten Telefone, Computer und Dokumente von Besseberg – der sich allerdings keiner Schuld bewusst ist. „Ich denke, wir haben im Einklang mit den Richtlinien gehandelt“, sagte der Norweger. Es sei schwer zu sagen, ob russische Läufer bei der WM gedopt gewesen seien, da nicht alle Sportler getestet werden könnten. Bei der WM in Hochfilzen im vergangenen Jahr hatte Russland Gold mit der Männer-Staffel und Bronze mit dem Mixed-Team gewonnen.

Die Staatsanwaltschaft in Österreich prüft Vorwürfe, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada an den Verband herangetragen worden waren. Nach Informationen norwegischer Medien geht es um 65 von der IBU nicht konsequent verfolgte Dopingproben. Im Gegenzug sollen Bestechungsgelder in Höhe von rund 242 000 Euro versprochen oder auch angenommen worden sein.

Resch wurde für den Zeitraum der laufenden Ermittlungen von ihren Aufgaben entbunden, Besseberg teilte seinen vorläufigen Rücktritt mit. Der Deutsche Skiverband (DSV) reagierte bestürzt auf die jüngsten Vorgänge. „Es wäre ein Schlag in das Gesicht des gesamten organisierten Sports, sollten sich die Verdächtigungen bestätigen“, sagte Sprecher Stefan Schwarzbach.

Nicolas Reimer Brake / Redaktion Brake
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