Hochfilzen Russland, Doping und kein Ende - der Biathlonsport ist drauf und dran seinen Ruf zu verspielen. Mit der vorläufigen Suspendierung von Jekaterina Glasyrina kurz vor dem Frauen-Sprint am Freitag hat der Skandal den nächsten negativen Höhepunkt erreicht. Die 29-Jährige, die im ersten Frauen-Rennen eigentlich mit der Startnummer 10 laufen sollte, steht aufgrund von Informationen aus dem McLaren-Report unter Dopingverdacht. Sie sei suspendiert worden, weil ein Dopingfall „sehr wahrscheinlich ist“, sagte Nicole Resch, die Generalsekretärin des Biathlon-Weltverbandes IBU, im ZDF.

Zu den Einzelheiten wollte sich Resch nicht äußern. Nach dem zweiten McLaren-Report um mutmaßliches Staatsdoping, in dem auch 31 russische Skijäger genannt worden, hatte der Weltverband IBU eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Die setzte die Ermittlungen gegen noch sieben russische Athleten fort. Nun habe man die Empfehlung bekommen, dass die Sachlage so geklärt sei, “dass diese Suspendierung für diese Athletin jetzt erfolgen kann. Es war uns auch wichtig, dies noch vor dem Wettkampf zu tun“, sagte Resch. Bislang waren bereits Olga Wiluchina und Jana Romanowa aus dem Verkehr gezogen worden.

„Es ist erschreckend, was momentan ans Licht kommt“, sagte Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner in einem Interview. „Grundsätzlich ist es für den Sport einfach nur schlimm. Wir kennen das aus dem Radsport, wo systematisch gedopt wurde, das hat den Sport kaputt gemacht. Russland macht damit auch diesen Sport ein Stück weit unsympathischer“, sagte Neuner. „Man hat noch keine harten Fakten, keine Daten, dass es systematisches Doping ist. Solange es Einzelfälle sind, kann man keine Rückschlüsse ziehen“, sagte Franz Steinle, der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) und forderte ein eine Zeichen von den Russen.

Die Suspendierung Glasyrinas gibt den Anti-Doping-Kämpfern im Feld der Biathleten wie Martin Fourcade, der die Siegerehrung der Mixedstaffeln aus Protest verließ, als das russische Team hinzukam, neue Munition. Denn die Russen, die im Dopingskandal keinerlei Einsicht oder Taktgefühl zeigen, hatten mit der Nominierung der Dopingsünder Alexander Loginow und Irina Starych für eine Provokation gesorgt. Loginow gewann Bronze in der Mixed-Staffel, Starych wurde für den Sprint aufgestellt. „Sie haben kein Schuldgefühl, zumindest nicht nach Absitzen der Strafe“, sagte Damen-Bundestrainer Gerald Hönig.

Bereits 2009 waren die Russen wegen mehrerer Dopingfälle zu einer Geldstrafe von 50 000 Euro belegt worden, 2014 dann wegen weiterer Vergehen zur Höchststrafe von 100 000 Euro. Am Mittwoch hatte die IBU den Russen wegen der aktuellen schwerwiegenden Dopingverwürfe die WM 2021 in Tjumen entzogen. Dagegen will die RBU aber vorgehen, wenn nötig auch vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS oder andere Gerichte ziehe.

Im Sportlerfeld stehen die Russen mittlerweile im Abseits. „Das russische Team ist offenbar nicht in der Lage, mit den internationalen Anti-Doping-Organisationen zu kooperieren. Aber dann haben sie bei unseren Rennen nichts zu suchen“, hatte die tschechische Weltcup-Gesamtsiegerin Gabriela Koukalova beim letzten Weltcup in Antholz der „FAZ“ gesagt.

Koukalova und 153 Athleten, darunter auch die Deutschen, hatten härtere Dopingstrafen von der IBU gefordert, wie Sperren bis acht Jahre, Bußgelder bis eine Millionen Euro und die Wegnahme von Startplätzen. Eine sechsköpfige Arbeitsgruppe, zu der auch Steinle gehört, soll bis Mai dazu Vorschläge erarbeiten.

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