Landesturnier
Nachts kommt der Wassermann

In Rastede wird Tag und Nacht gearbeitet. Die Pferde profitieren bei dem Wetter von der körpereigenen Kühlanlage.

Bild: Martin Remmers
Vor dem neuen Wasserhindernis auf dem Haupt- und Springplatz des Oldenburger Landesturniers: (von links) Tierarzt Dr. Hans-Hermann Lagershausen, Organisationsleiter Torsten Schmidt und Parcourschef Werner TapkenBild: Martin Remmers
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Rastede Der Spruch ist so alt wie das Oldenburger Landesturnier – und so darf die kecke Behauptung „In Rastede wirst Du entweder auf dem Kopf oder unter den Armen nass“ auch in diesem Jahr nicht fehlen. Sorgte im Vorjahr der überbordende Starkregen zur Absage ganzer Prüfungen, so ist es diesmal die anhaltende Trockenheit bei Temperaturen um die 30 Grad, die die Turnierleitung vor große Herausforderungen stellt – der kurze Wolkenbruch am Dienstagabend war da gerade einmal der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

„Der Boden ist seit Tagen knüppeltrocken und hart. Das birgt eine große Verletzungsgefahr für die Tiere“, sagte Parcourschef Werner Tapken (45) mit Blick auf den Haupt- und Springplatz im Rasteder Schlosspark. Dabei wurde sein Trockengebiet in diesem Jahr sogar noch einmal um 2000 Quadratmeter vergrößert. „Jetzt haben wir natürlich mehr Ausweichmöglichkeiten und können bei 20 Meter mehr Breite deutlich mehr Bahnen in den Parcours stellen“, überwiegen für Tapken die Vorteile. Einziger Nachteil: Die immensen Flächen im Schlosspark – insgesamt sieben Plätze – müssen tagtäglich gewässert werden.

„Genauer gesagt: Das passiert in der Nacht. Da ist der Wasserwagen im Dauereinsatz“, erläutert Organisationsleiter Torsten Schmidt. Von sechs Uhr morgens bis spät in den Abend herrscht schließlich reiterlicher Betrieb auf der Anlage. Und weil die Berieselungsanlage aufgrund des niedrigen Wasserstandes im Schlosspark nicht zur Verfügung steht, muss das erforderliche Wasser in Absprache mit der Gemeinde aus dem Geestrandkanal herangekarrt werden.

Allein für den Springplatz werden fünf Fuhren á 15 000 Liter benötigt. So kann der Boden elastisch gehalten werden. „Der richtige Untergrund ist wichtig für die Pferde. Würde der Boden nicht gewässert, dann wäre das in etwa so, als ob wir Menschen Turnübungen auf einem Betonboden machen würden“, begrüßt Turnier- und Tierarzt Dr. Hans-Hermann Lagershausen das nächtliche Wässern der Anlage. Der 66-jährige Mediziner ist seit mehr als 20 Jahren beim Landesturnier im Einsatz. In acht von zehn Fällen war der starke Regen das Thema in Rastede. Gleichwohl ist Lagershausen jederzeit auch auf einen hochsommerlichen Einsatz vorbereitet. „Ich habe alles dabei. Ob Kochsalzlösung oder Elektrolyte. Aber in all den Jahren habe ich sie für die Pferde nie gebraucht“, weiß Lagershausen. Die Vierbeiner seien grundsätzlich optimal vorbereitet aufs Landesturnier: „Sie erhalten eine gute Ernährung, bestehend aus viel Raufutter, werden gut trainiert und haben eine gute Kondition.“

Nun ja, und mit der Hitze wissen Pferde ohnehin besser umzugehen als wir Menschen. Sie verfügen noch über ein körpereigenes Kühlsystem. „Die Tiere haben überhaupt kein Problem mit den Temperaturen. Sie schwitzen viel, ihr Fell wird ja richtig nass. Sie haben eine perfekte Kühlung, die wir Menschen im Laufe unserer Entwicklung abgelegt haben“, erläutert der Veterinär aus Berne.

Diese Erkenntnis wiederum, beruhigt Lagershausen seinen Gesprächspartner, ist so alt wie das Oldenburger Landesturnier.

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