Pyeongchang Nach 280 Sekunden für die Ewigkeit klatschte sich Katarina Witt die Hände wund, die beste Paarlauf-Kür der Eiskunstlauf-Geschichte trieb ihr die Tränen in die Augen. Bei Aljona Savchenko und Bruno Massot waren da längst alle Dämme gebrochen. Vor allem Savchenko schluchzte, weinte und zitterte in der Gangneung-Arena überwältigt vor Freude und Erleichterung, nachdem sie ihr Lebensziel erreicht hatte.

Noch Stunden später, als ihr endlich die ersehnte Goldmedaille um den Hals baumelte, schossen ihr schon wieder die Freudentränen in die Augen: „Ich habe Geschichte geschrieben“, sagte sie: „30 Jahre habe ich dafür gearbeitet.“ Die Eiskunstlauf-Welt lag den neuen Olympiasiegern zu Kufen.

„Ich bin so glücklich und habe geheult. Aljona und Bruno waren perfekt“, sagte Witt. Die 52-Jährige war 1988 in Calgary die bis dahin letzte deutsche Olympiasiegerin im Eiskunstlauf. Im Paarlauf war es das erste Olympische Gold für Deutschland seit 66 Jahren, zuletzt gewann 1952 das Ehepaar Ria und Paul Falk.

Savchenko und Massot versprühten in ihrer 280 Sekunden langen Kür pure Magie. Alles gelang, alles floss, keine Unsicherheit störte. Und als bei den Oberstdorfern die ersten Tränen getrocknet waren, wollte die 34-Jährige die Bedeutung ihres herbeigesehnten Tages überhaupt nicht kleinreden: „Das ist der Moment meines Lebens.“

Deutsche Olympiasieger im Eiskunstlauf

1908 Anna Hübler/Heinrich Burger (in London/Sommerspiele). 1952 Ria und Paul Falk (in Oslo). 1964 Manfred Schnelldorfer (in Innsbruck). 1980 Anett Pötzsch (in Lake Placid). 1984 Katarina Witt (in Sarajewo). 1988 Katarina Witt (in Calgary). 2018 Aljona Savchenko/Bruno Massot (in Pyeongchang).

Vielen erschien diese Kür zur Filmdoku-Musik „Die Welt von oben“ schier „unlaufbar“, im entscheidenden Moment bewiesen die Vize-Weltmeister aber das Gegenteil. Überwältigt von Emotionen sank das Duo am Ende auf dem Eis engumschlungen zu Boden. Sogar Fotografen und Journalisten hatten nach der Vorstellung mit der Kür-Bestmarke von 1591,31 Punkten feuchte Augen. Die Jury gab für den künstlerischen Ausdruck neunmal die Höchstnote zehn.

Wegen eines Patzers im Kurzprogramm von Massot tags zuvor waren Savchenko/Massot als vermeintlich abgeschlagene Vierte in die Kür gestartet, es folgte eine grandiose Aufholjagd. „Von Platz vier auf eins – das ist unglaublich und großartig. Aber wir mussten ja noch warten, das war härter als zu laufen“, beschrieb der 29-jährige Massot die ungewisse Zeit bis zum Sieg vor den schwächelnden Weltmeistern Sui Wenjing/Han Cong aus China.

„Wir sind happy, das für Deutschland geholt zu haben. Hier wurden wir unterstützt“, betonte die gebürtige Ukrainerin Savchenko, deren französischer Partner erst vor Kurzem den deutschen Pass erhalten hatte.

Den Hauptanteil an diesem Triumph reichte Trainer Alex-ander König an seine Musterschülerin weiter: „Aljona ist von einer unglaublichen Kreativität.“ Im Gegensatz zu seinem Trainervorgänger Ingo Steuer hatte der Coach dies schon kurz nach dem gemeinsamen Trainingsbeginn 2014 erkannt: „Da habe ich wohl irgendwie den Korken aus der Flasche geholt.“

Auch die Deutsche Eislauf-Union (DEU) durfte sich als Gewinnerin fühlen, auch wenn ihre beiden Olympiasieger das Eislaufen nicht in Deutschland gelernt haben. „Aber wir haben den Mut gehabt, auf einen deutschen Trainer zu setzen, der sich zusammen mit dem Paar positiv entwickelt hat“, meinte DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf.

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