OLDENBURG Wenn im Ring bei den Deutschen Amateur-Boxmeisterschaften die Fäuste fliegen, schauen sechs Personen besonders genau hin – der Ring- und die fünf Punktrichter. 17 Männer und zwei Frauen entscheiden in der Oldenburger EWE-Arena bis zum Sonnabend über jähes Ausscheiden oder den Titel.

Dabei bedienen sich die Verbände seit 1990 elektronischer Hilfsmittel – der Punktmaschine. Das Prinzip ist einfach: Landet ein Boxer einen Treffer oberhalb der Hosennaht, drückt der Punktrichter auf einen der beiden für die Kämpfer vorgesehenen Knöpfe. Zwei weitere werden bei Verwarnungen eingesetzt.

Längst ist nicht jeder Knopfdruck ein Punkt. Die rund um den Ring sitzenden Punktrichter müssen sich schon einig sein. Nur wenn binnen einer Sekunde drei der fünf auf den gleichen Knopf drücken, gibt es eine Wertung, also einen Punkt. Drücken nur zwei, wird nicht gewertet. „Der Zielwert ist 50 Prozent“, erklärt Heinz Gerdes (66), Kampfrichter im 40. und letzten Jahr: „Dann hat man gut gearbeitet.“

Der Emder weiß: Mit dieser Art des Zählens stehen er und seine Kollegen mächtig unter Druck. Nach den Meisterschaften präsentiert der Kampfrichter-Obmann die Auswertung – wer beim Drücken arg daneben liegt, kann auch die Lizenz verlieren. Die Methode allerdings habe ihre Vorteile, sie sei „nachvollziehbarer, und es gibt weniger Fehlurteile.“ Auch Mauscheleien sind nicht mehr so leicht möglich. Den aktuellen Punkte-Stand erfahren Gerdes und seine Kollegen erst nach dem Kampfende.

Die DM ist auch eine Ausbildungsveranstaltung. 17 der 19 Kampfrichter arbeiten an ihrer Lizenz für den Amateur-Weltverband AIBA. In Oldenburg wird nach Seminaren, mündlichen und schriftlichen Prüfungen der praktische Teil abgehandelt. Während Gerdes am Sonnabend verabschiedet wird, geht die Laufbahn für Daniela Otten vom Verband Mittelrhein und Patricia Tauscher (Baden-Württemberg) erst richtig los.

„Ich mag die objektive Seite. Ich mag es, dem besseren Boxer zum Sieg zu verhelfen“, sagt Otten, die nach der DM einen ersten großen Schritt Richtung Traumziel Olympische Spiele gemacht haben könnte. Bis dahin geht es nur um „Leidenschaft“, wie Tauscher sagt. Ganz so wie bei den Aktiven im Ring.

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