Oldenburg Viele Jahre trafen sich die Handballerinnen des VfL Oldenburg und des Buxtehuder SV auf Augenhöhe. Unzählige packende Duelle, ob im Pokal oder in der Meisterschaft, prägen die gemeinsame Bundesligazeit. Zwischenzeitlich allerdings sind die BSV-Frauen den Oldenburgerinnen sportlich und wirtschaftlich ein Stück weit enteilt. Und so stellt sich die Favoritenfrage vor dem Nordderby an diesem Mittwochabend in der kleinen EWE-Arena (19.30 Uhr) eigentlich nicht, auch wenn die jeweiligen Trainer Dirk Leun (Buxtehude) und sein Oldenburger Kollege Niels Bötel wohl widersprechen würden. Während der eine mit dem Verweis auf den Derbycharakter warnt, setzt der andere auf die Außenseiterrolle vor heimischer Kulisse.

Diese Denkweise dürfte sich auch in der kommenden Saison fortsetzen. So vermeldete der zweimalige deutsche Pokalsieger aus Buxtehude gerade erst die Verpflichtung einer gestandenen Ex-Nationalspielerin: Caroline Müller-Korn (26), von 2014 bis 2017 in Oldenburg unter Vertrag, wechselt im Sommer vom designierten deutschen Meister Borussia Dortmund in die Elbmarsch.

Zweitliga-Torjägerin und niederländisches Talent

Liga-Konkurrent Oldenburg schaute sich derweil eine Klasse tiefer nach einer Verstärkung um und wurde beim Zweitligisten TSV Nord Harrislee fündig. Merle Carstensen (25), im Unterhaus in den vergangenen zwei Jahren immer für mehr als 100 Feldtore gut, soll helfen, die Lücken zu schließen, die im Rückraum durch die Abgänge so gestandener Erstliga-Spielerinnen wie Myrthe Schoenaker (Blomberg), Helena Mikkelsen (Halle Neustadt), Malene Staal (Norwegen) und Kristina Logvin (Ziel unbekannt) entstehen werden. Carstensen, seit 2012 bei den „Nordfrauen“ unter Vertrag, gilt als Kapitänin als Dreh- und Angelpunkt im Harrisleer Spiel.

Die torgefährliche Rückraumspielerin unterschrieb beim VfL einen Zweijahresvertrag bis Juni 2022. „Merle hat gezeigt, dass sie Verantwortung übernehmen kann. Sie ist eine gestandene Zweitliga-Handballerin, eine Allrounderin mit großer Spielintelligenz. Außerdem gefällt uns ihr Abwehrspiel. Sie möchte ihr Spiel auf das nächste Level bringen. Von daher passt sie auch gut in die Ausrichtung der Mannschaft“, sagt Oldenburgs Trainer Bötel, der zuletzt im DHB-Pokal in der zweiten Runde im Oktober 2019 mit 31:33 an Carstensen (5 Tore) und am TSV Harrislee scheiterte.

An der Seite von Carstensen wird zukünftig auch das Rückraum-Talent Marloes Hoitzing spielen. Die 19-Jährige kommt vom niederländischen Ehrendivisionär und zweimaligen Meister Vlug en Lenig aus Geleen (Limburg). Mit der Verpflichtung der jungen Linkshänderin hoffen die VfL-Verantwortlichen, die Erfolgsgeschichte mit niederländischen Jungstars fortschreiben zu können. Zur Erinnerung: Louis Abbingh, Laura van der Heijden und Tess Wester, die in jungen Jahren vier Jahre lang das grün-weiße Trikot trugen, dürfen sich heute Weltmeisterinnen nennen. Auch Kelly Dulfer und Inger Smits, die heute mit Dortmund auf Titelkurs steuern, standen beim VfL zwei Jahre lang unter Vertrag. Und nicht zu vergessen die aktuelle Oldenburger Spielmacherin Schoenaker.

Auf Stärken besinnen

Niels Bötel zeigte sich nach dem Probetraining jedenfalls schon einmal begeistert von den Qualitäten der 1,79 Meter großen Hoitzing. „Ihre Stärken liegen im Angriff. Eine Linkshänderin auf der rechten Rückraum-Position zu haben ist extrem wichtig für unsere Spielphilosophie. Das macht uns variabler. Marloes will richtig Gas geben und passt super in die Mannschaft. Sie hat durch ihre bisherigen Trainer bereits eine gute Ausbildung erfahren. Das werden wir hier in Oldenburg fortsetzen können“, ist der VfL-Chefcoach überzeugt. Die U-18- und U-20-Nationalspielerin der Niederlande unterschrieb in Oldenburg ebenfalls einen Zweijahresvertrag.

An diesem Mittwoch gegen den Tabellensiebten aus Buxtehude müssen es allerdings noch mal die „Alten“ richten. Die haben sich zwar bei der unnötigen 21:23-Heimpleite am Sonntag gegen Neckarsulm nicht gerade mit Ruhm bekleckert, doch Bötel gibt sich kämpferisch. „Wir müssen uns wieder auf unsere Stärken besinnen und da sein, wenn Buxte schwächelt. Wir müssen fokussiert sein. Also konzentriert in der Abwehr und geduldig im Angriff agieren“, sagt der VfL-Coach, der nur zu gut weiß: „Buxtehude hat eine gute Mannschaft und die Ambitionen des Clubs liegen eher im europäischen Wettbewerb, als sich im Mittelfeld festzusetzen.“ Mit einem Derbysieg würden die VfL-Frauen den Abstand zum Nordrivalen zumindest ein bisschen wieder verkürzen – und sich wohl auch vorzeitig den Klassenerhalt sichern.

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Otto-Ulrich Bals Autor
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