Oldenburg Der Hamburger SV hat einen neuen Trainer, den 16. in zehn Jahren. Hält die Mannschaft unter Bernd Hollerbach die Klasse?

Pro: „Stimmungsumschwung an der Elbe“

Kommentar von NWZ-Sportredakteur Christopher Deeken

Christopher Deeken (Bild: NWZ)
Die Mannschaft zutiefst verunsichert, die Fans müde vom ständigen Abstiegskampf und dazu die Häme vom großen Teil der restlichen Fußball-Republik – Bernd Hollerbach ist um seine Aufgabe beim Hamburger SV wahrlich nicht zu beneiden.

Und doch sage ich: Hollerbach ist zum richtigen Zeitpunkt der richtige Mann am richtigen Ort. Der 48-Jährige wird den Profis genau das vermitteln, worauf es in den kommenden Wochen und Monaten ankommt: Mentale Stärke und bedingungslose Einsatzbereitschaft.

Genauso wichtig: Der für seine rustikale Spielweise bekannte und bodenständige Ex-HSV-Profi kommt bei den Fans gut an. Hollerbach wird für einen Stimmungsumschwung an der Elbe sorgen.

Hollerbach ist keiner dieser „Laptop-Trainer“, das Wort „Matchplan“ wird man von ihm nicht hören. Dennoch tut man dem Franken gewaltig Unrecht, wenn man in ihm einzig und allein einen knallharten Schleifer sieht. Was gern vergessen wird: Hollerbach ist mit den Würzburger Kickers vor nicht allzu langer Zeit von der vierten in die zweite Liga durchmarschiert – so etwas schafft keiner, der taktisch nichts draufhat.

Zu guter Letzt sei auf die Tabelle verwiesen: Der HSV ist gerade einmal einen Punkt von Platz 16 entfernt. Die Relegation wird Hollerbach locker erreichen – und dort macht den Hamburgern nun einmal keiner etwas vor.

Contra: „Bundesliga-Dino wird aussterben“

Kommentar von NWZ-Sportredakteur Lars Blancke

Lars Blancke (Bild: Archiv)
Nun also Bernd Hollerbach. Was etablierte Namen wie Bruno Labbadia und Markus Gisdol nicht hinbekamen, soll nun einer schaffen, der noch nie einen Erstligisten als Trainer geführt hat.

Ja, Hollerbach ist einer, mit dem sich die Fans identifizieren können. Der jahrelang für den Verein alles auf dem Platz gegeben hat, der nicht umsonst den Spitznamen „Die Axt“ zugewiesen bekam. Ein Kämpfer, ein ehrlicher Typ, der aus seinen begrenzten fußballerischen Möglichkeiten stets viel herausgeholt hat.

Aber kann er deswegen auch mehr aus dem HSV herausholen? Ich glaube: Nein! Denn Kampf und Einsatz ist so ziemlich das Einzige, was den Hamburgern in dieser Spielzeit nicht gefehlt hat. Sie rennen, sie grätschen, sie haben aber keine spielerischen Lösungen nach vorn. Mit 15 Treffern hat der HSV den zweitschwächsten Angriff der Liga. Ob ausgerechnet der Kämpfer Hollerbach derjenige ist, der dem Team eine Spielidee und Kreativität in der Offensive vermitteln kann, halte sich für äußerst fragwürdig.

Jahrelange Misswirtschaft, eine teils hanebüchene Kaderplanung, ein Kommen und Gehen auf der Trainerposition und die ständige Unruhe in den Vereinsgremien – kurz gesagt: einfach schlechte Arbeit – wird nunmal irgendwann bestraft. Der HSV hat sich den Abstieg in den vergangenen Jahren redlich verdient. In diesem Jahr stirbt auch der letzte Bundesliga-Dino aus

Hier können Sie selbst abstimmen: Hält der HSV mit Bernd Hollerbach die Klasse?

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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