Oberhof /Dresden Der Wirbel um mit Schnee beladene Lastwagen hat wohl auch Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner nicht gefallen. Dass für die Weltcups in Oberhof oder die Wettkämpfe der Skilangläufer am Wochenende in Dresden mit tonnenweise Kunstschnee nachgeholfen werden musste, sorgte für viel Kritik von Umweltschützern. Ein ziemlich genervter Kirchner forderte angesichts des Klimawandels eine klarere Strategie für den Wintersport. „Will man für die Region, für Deutschland oder auch international weiter Wintersport betreiben oder will man es nicht?“, sagte er im thüringischen Oberhof: „Alles andere ist ein Gewäsch oder ein Zug, auf den man jetzt aufspringt, und nicht die Realität im Auge behält.“

Politiker, Sportpolitiker und andere Funktionäre müssten sich grundsätzlich überlegen: „Wenn man Veranstaltungen in Regionen ausrichten möchte, wo es eher dünn mit Schnee ist, und dann diese Klimathematik in den Vordergrund schiebt, müssen wir sagen: Dann machen wir komplett zu“, sagte Kirchner und fügte ein Beispiel an: „Auch wenn hier ein Meter Schnee liegt, funktioniert so eine Großveranstaltung nicht klimaneutral.“

Weil im Thüringer Wald kaum Schnee liegt und auch die Produktion der 37 Schneekanonen nicht ausreichte, wurde der für die World Team Challenge produzierte Kunstschnee auf mehr als 30 Lkw aus dem 400 Kilometer entfernten Gelsenkirchen nach Oberhof gefahren. Für den Skilanglauf-Weltcup am Dresdner Elbufer waren seit Mittwoch 15 Lastwagen im Einsatz, um die 4500 Kubikmeter Kunstschnee vom Dresdner Flughafen zu der Langlaufstrecke vor der Altstadtkulisse zu fahren.

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Die Maßnahme in Oberhof sei „angesichts des auch in Thüringen spürbaren dramatischen Klimawandels nicht mehr zu verantworten“, sagte Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Thüringen der „Bild“-Zeitung. Auch der BUND in Sachsen hat Vorbehalte: Wintersport sei generell kritisch zu betrachten, weil er in Zeiten des Klimawandels nur noch mit „massiver ‎technischer Unterstützung“ möglich sei, erklärte der Vorsitzende Felix Ekardt.

Abhilfe in Oberhof soll künftig ein zweites Schneedepot schaffen. Der Ort richtet im Februar 2023 die WM aus, spätestens dann müssen bei fehlendem Schneefall größere Vorräte vorhanden sein, um aufwendige Transporte zu verhindern und Planungssicherheit zu garantieren. Der Deutsche Skiverband mache sich „nicht erst seit gestern und nicht erst seit Greta“ Gedanken, „wie wir unseren Sport nachhaltig gestalten“, sagte Stefan Schwarzbach, Vorstand Kommunikation im DSV. „Mit Maß und Ziel, aber ohne dass es in Aktionismus ausartet“, müsse man sich ans veränderte Klima anpassen. Dafür arbeite der DSV eng mit Experten und Klimaforschern zusammen.

Nicht nur Olympiasiegerin Kati Wilhelm gab zu bedenken, was alles „an dieser Veranstaltung für Oberhof, viele Vereine und die Nachwuchsarbeit dranhängt“. Die Strecken in Oberhof werden nach dem Wochenende auch von den Vereinen der Region zum Training und für Nachwuchsrennen genutzt, auch in Dresden können sich Hobbyläufer nach den Profis auf der angelegten Loipe versuchen.

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