Madrid (dpa) - Am Tag eins nach der Rückkehr von Zinédine Zidane zu Real Madrid schien fast die ganze spanische Hauptstadt im Glück zu schwelgen.

"Der Held kehrt zurück", war auf Seite eins der Sportzeitung "Marca" zu lesen. Eine Anhängerin jubelte im Fernsehen laut: "Jaaa, ich bin happy, ich fühle mich wie im Rausch!". Trotz der sportlichen Krise der Fußballer um Toni Kroos und Kapitän Sergio Ramos sah man auf den Straßen wieder mehr Menschen im weißen Trikot herumlaufen. "Zizou" macht die Königlichen wieder glücklich - aber wohl nicht alle.

Von Zidane wird nämlich eine Runderneuerung des Kaders erwartet und gefordert. Von Fans, Medien und Club-Boss Florentino Pérez. Der milliardenschwere Baulöwe habe den Franzosen nur deshalb zu einem Comeback, 284 Tage nach dessen Rücktritt, überreden können, weil er ihm - neben einem lukrativen Vertrag bis 2022 - auch "uneingeschränkte Macht" bei der Gestaltung des Kaders garantiert habe, so die Zeitung "AS". Und er habe ihm "drei Superverstärkungen" versprochen.

Bei seinem Abgang hatte Zidane von Abnutzungserscheinungen gesprochen und davon, dass das Team nach drei Champions-League-Triumphen in Serie Veränderung brauche, um wieder zu gewinnen. Der 46-Jährige hatte Recht. Madrid hat keine reellen Titelchancen mehr. In der Champions League schied man als Titelverteidiger schon im Achtelfinale gegen Ajax Amsterdam aus. In der Liga hat das Team zwölf Punkte Rückstand auf den Richtung Titelverteidigung marschierenden Erzrivalen FC Barcelona, an dem man auch im Pokal scheiterte.

Es ist kein Geheimnis, dass Zidane im Sommer vor allem den verletzungsanfälligen und oft lustlos wirkenden Gareth Bale loswerden wollte, Pérez sich indes dagegen stemmte, weil er in dem von ihm für rund 100 Millionen Euro geholten Stürmer aus Wales einen künftigen Weltfußballer sah. Doch auch unter den gescheiterten Zidane-Nachfolgern Julen Lopetegui und Santiago Solari konnte Bale nicht überzeugen. Zidane sprach bei seiner Präsentation am Montag Worte aus, die für den Franzosen ungewöhnlich klar sind: "Einige Dinge werden wir ändern müssen".

Bale, der Zidane nach dessen Rücktritt kritisiert hatte, wird sich wohl auf die Suche nach einem neuen Club machen (müssen). Weit oben auf der Liste derjenigen, die gehen sollen, steht nach Medieneinschätzung auch Mittelfeldtalent Dani Ceballos. Andere wie Kroos, Marcelo und Isco dürfen nun auf ihre guten Leistungen in der ersten Zidane-Ära setzen. Marcelo und Isco standen laut Medien bereits kurz davor, Cristiano Ronaldo nach Juventus Turin zu folgen.

Der frühere Weltmeister Jorge Valdano, der Real als Ex-Profi, -Trainer und -Sportdirektor bestens kennt, meinte im Fernsehen, viele Profis würden sich nun wieder ins Zeug legen müssen, "wenn sie bleiben wollen". Zidane habe mehr Autorität als Solari. Nach Medienberichten hatte zum Beispiel Isco Anordnungen des letzten Trainers nicht befolgt und sich etwa nicht wiegen lassen. Valdano: "Madrid war im freien Fall, und Zizou wurde als eine Art Fallschirm geholt. Richtige Entscheidung, denn Zinédine kann nun die Erneuerung des Kaders mit etwas Zeit durchführen."

Wunschspieler Nummer eins ist wohl Kylian Mbappé. Der französische Weltmeister beteuerte zwar, er wolle auch nach dem frühen Champions-League-Aus bei Paris Saint-Germain bleiben. Doch Pérez sagte hierzu: "Zidane und Mbappé sind beide Franzosen, da geht vielleicht etwas." Mbappés brasilianischer Teamkollege Neymar hatte sich jüngst beim Karneval in Rio sogar "angeboten". Seine Worte: "Jeden Spieler, an dem Real Madrid interessiert ist, würde es reizen, dort zu spielen.". "Mbappé oder Neymar?", wurde Pérez am Montag gefragt. "Am liebsten beide", sagte der Baulöwe.

Die gewöhnlich gut informierte TV-Sendung "Chiringuito" berichtete, Zidane sei unter anderem auch an Paul Pogba (Manchester United), Eden Hazard (Chelsea) und Sadio Mané (FC Liverpool) interessiert. Die französische Fachzeitung "L'Équipe" brachte eine mögliche Rückkehr von Bayern-Mann James Rodriguez ins Gespräch. Und eine Rückkehr Ronaldos? Zidane: "Das ist nicht das Thema hier."

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