Reitsport
Landesturnier in Rastede hält alle auf Trab

Rund 2500 Pferde sind gemeldet. Das bedeutet viel Arbeit für alle Beteiligten. Hufschmied, Tiermediziner und Züchter gewähren Einblicke hinter die Kulissen. Am Sonntag bietet der NWZ-Familientag viel Programm.

Bild: Tobias Frick
Höhepunkt für viele Züchter: Die Qualifikation für den Brillantring. Unter den strengen Blicken der Richter verläuft die Elite-Stutenschau des Oldenburger Pferdes.Bild: Tobias Frick
Bild: Sophie Schwarz
Hufschmied Hartmut LogemannBild: Sophie Schwarz
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Rastede Dr. Hans-Hermann Lagershausen muss kräftig in die Pedale treten. Denn sein nächster Patient wartet schon. Ein brauner Hengst, dem Blut abgenommen werden muss. Seit Dienstag sind der Tierarzt und seine Kollegen Doreen Hüppe und Dr. Michael Naß fast rund um die Uhr im Einsatz für die Pferde, die beim 68. Oldenburger Landesturnier in Rastede an den Start gehen.

Per Rad zum Patienten

Die Wege zu seinen vierbeinigen Patienten legt der Veterinär auf dem weitläufigen Gelände des Rasteder Schlossparks mit dem Fahrrad zurück. Er prüft, ob das Zaumzeug nicht zu eng sitzt und achtet darauf, dass die Tiere nicht unterernährt sind. Auch die Medikationskontrolle gehört zu seinen Aufgaben. „Damit die Pferde an den Wettkämpfen teilnehmen können, gilt die Null-Toleranz-Grenze. Die Tiere dürfen nur ihr übliches Futter und Wasser bekommen. Leistungsfördernde oder krankheitskaschierende Mittel sind tabu“, sagt der Tierarzt. Sonst droht der Ausschluss von den Wettkämpfen.

Spezial zum Landesturnier

Insgesamt 1000 Reiter haben 2500 Pferde zum Landesturnier mitgebracht. Das bedeutet viel Arbeit, die sich die drei Tierärzte in Schichten aufteilen. Schlechte Erfahrungen in Bezug auf Doping oder Tierwohl habe er bisher noch keine in Rastede gemacht, so Lagershausen, der seit 25 Jahren das Wohl der Tiere im Blick hat. „Es ist eine Ehre für die Teilnehmer, hier dabei zu sein. Vor dem großen Publikum will niemand negativ auffallen.“ Beim diesjährigen Turnier habe es bisher nur Koliken und leichte Blessuren, die beim Transport oder den Wettbewerben entstanden sind, gegeben, so der Mediziner aus Berne.

Dass er selbst immer wieder gern den Einsatz im Schlosspark zusagt, liege vor allem an der Atmosphäre. „Das Ambiente hier ist einzigartig. Schöne Pferde, gute sportliche Leistungen, und das bei bestem Wetter.“

Leidenschaft verbindet

Die Sitzplätze im Kranichzelt bieten einen idealen Blick auf den Hauptturnierplatz. Gespannt verfolgt dort Wilhelm Weerda die Wettkämpfe. Auch für ihn ist das Landesturnier eine besondere Veranstaltung. Sechs Tage lang kommen auf dem Schlosspark-Gelände Menschen zusammen, die die Liebe zu den Pferden verbindet, sagt er. Weerda ist seit 1995 Präsident des Oldenburger Zuchtverbandes, seit Generationen züchtet seine Familie Pferde. Für den Wilhelmshavener ist der Höhepunkt des Landturniers die Elite-Stutenschau des Oldenburger Pferdes. „Aus 400 Stuten werden die besten 50 Tiere ausgewählt, um in Rastede um den Titel der Siegerstute zu konkurrieren“, so der Pferdezüchter. In diesem Jahr treten die besten 34 drei- bis vierjährigen Stuten des Verbandes der Züchter des Oldenburger Pferdes (OL) und die besten 13 drei- bis sechsjährigen Stuten des Springpferdezuchtverbandes Oldenburg-International (OS) an.

„Allein die Teilnahme an diesem Turnier ist eine Ehre. Ein Siegertitel ist eine bedeutungsvolle Auszeichnung“, sagt Weerda. Das Landesturnier sei jedoch nicht nur bedeutend für die Wertsteigerung der Tiere, es sei auch bezeichnend für den Wert der Tradition der Zucht, so der Zuchtverbands-Präsident.

In die Hufe kommen

Auf der anderen Seite des Parks steht Hartmut Logemann eingequetscht zwischen Pferdehüfte und Innenwand eines Transportanhängers. Ein Hufeisen sitzt nicht richtig und muss vom Hufschmied angepasst werden.

„Oft beginnt mein Arbeitstag vor dem Frühstück. Wenn um 6 Uhr mein Handy klingelt und mich jemand braucht, muss ich eben raus“, sagt Logemann. Er ist seit 25 Jahren Hufschmied. In diesem Jahr ist er bereits zum 15. Mal auf dem Schlosspark im Einsatz.

Er kümmert sich um Hufeisen, die nicht richtig sitzen oder verloren gegangen sind. „Meist passiert so etwas beim Verladen oder Transport der Tiere, weniger bei den Turnieren selbst“, weiß der Hufschmied. Unterwegs ist er in Rastede mit seiner mobilen Arbeitsstation: Ein Anhänger von zwei Quadratmetern, in dem sich ein Gasofen, Amboss, Hammer, Hufeisen und Zangen befinden. Bei ungefähr 800 Grad Celsius lassen sich die Eisen am besten verformen, indem Logemann den Hammer auf das Hufeisen donnern lässt, bis die Funken fliegen.

Auch wenn er schon lange beim Landesturnier dabei ist, sei es immer wieder ein spannendes Arbeitsumfeld, sagt er. Und so lange es große Wettkämpfe wie das Oldenburger Landesturnier gibt, gehört der Beruf des Hufschmieds noch lange nicht zum alten Eisen.

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