München Pep Guardiola war fassungslos, als ihn beim Training am Mittwochmittag die Schock-Diagnosen erreichten. Superstar Arjen Robben fällt mit einem Muskelbündelriss in der linken Wade für den Rest der Saison aus, Torjäger Robert Lewandowski steht wegen eines Bruchs des Nasenbeins und des Oberkiefers sowie einer Gehirnerschütterung für unbestimmte Zeit nicht zur Verfügung.

Eine Woche vor dem Halbfinale in der Champions League beim FC Barcelona ist der FC Bayern schwer erschüttert. Anstatt für das große Duell mit Lionel Messi und Co. Selbstvertrauen zu tanken, haben das bittere Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund (0:2 i.E.) mit vier historischen Elfmeter-Fehlschüssen sowie die neuerlichen Verletzungen beim Rekordmeister tiefe Spuren hinterlassen.

„Schlimmer geht´s nimmer“, twitterte Mediendirektor Markus Hörwick und brachte damit die Gemütslage beim FC Bayern, dessen Verletzungssorgen sich wieder erheblich vergrößerten, auf den Punkt. Immerhin äußerte Lewandowski die leise Hoffnung, schon in Camp Nou am 6. Mai möglicherweise mit einer Maske wieder spielen zu können.

Doch schon direkt nach der Partie war die Stimmung am Boden gewesen, nachdem der Traum vom Triple und zwei großen Endspielen in Berlin auf kuriose, aber auch klägliche Art und Weise geplatzt waren. „Ein katastrophaler Abend. Das kotzt mich an“, hatte Weltmeister Thomas Müller bereits unmittelbar nach dem Halbfinal-Krimi mit finsterer Miene gesagt.

„Das ist extrem bitter. Das müssen wir jetzt erst einmal verdauen“, fügte Kapitän Philipp Lahm ungewohnt kleinlaut an. Robben war da nach seinem unglücklichen 16-Minuten-Comeback auf Krücken bereits zum Auto gehumpelt. Lewandowski, der kurz vor Schluss der Verlängerung von BVB-Keeper Mitch Langerak schwer am Kopf getroffen worden war, befand sich auf dem Weg zu einer MRT-Untersuchung.

Während die BVB-Spieler in der Kabine ausgelassen feierten und immer wieder „Berlin, Berlin“-Gesänge anstimmten, verließen die Münchner mit hängenden Köpfen die Arena. Guardiola muss bis zum Spiel bei seinem Ex-Klub Barcelona viel Aufbauarbeit leisten, auch wenn Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger „keine Auswirkungen“ auf die Königsklasse befürchtete: „Wir sind selbstbewusst.“

Doch das „Mia-san-Mia“ war angesichts der vielen schlechten Nachrichten erst einmal verflogen, weshalb Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die angeschlagenen Stars schon einmal aufforderte, sich „zu schütteln. Wir müssen in Barcelona mit neuem Elan und Spirit antreten, vielleicht sind wir dort etwas glücklicher.“ Der Blick müsse „schnell wieder nach vorne gehen“, betonte auch Lahm.

Der Blick zurück bereitete dem 17-maligen Pokalsieger auf jeden Fall erhebliche Schmerzen - und das nicht nur wegen der Verletzungen. „Es gibt sicher bessere Momente zum Ausrutschen“, sagte Lahm, nachdem er und kurz darauf auch Xabi Alonso bei ihren Elfmeter-Fehlschüssen jeweils auf ihrem Hinterteil gelandet waren. Als dann auch noch Mario Götze an Langerak scheiterte und Manuel Neuer den Ball an die Latte drosch, war die Ernüchterung bei den Münchnern riesig.

Da konnte Rummenigge noch so oft darauf hinweisen, „dass es das beste Spiel gegen Borussia Dortmund seit drei, vier Jahren war, das wir gemacht haben“. Man könne der Mannschaft „keinen Vorwurf machen“. Konnte man aber schon: Nach dem 1:0 durch Lewandowski (30.) versäumte es der klar überlegene Meister, bei vielen Großchancen den Sack zuzumachen. Zu allem Überfluss verweigerte auch noch Schiedsrichter Peter Gagelmann den Bayern einen klaren Handelfmeter (55.). Der Ausgleich durch Pierre-Emerick Aubameyang (75.) stellte deshalb die Partie auf den Kopf.

Dennoch wollte auch Guardiola keine Kritik üben. „Wir haben alles getan, damit bin ich sehr zufrieden. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagte der Spanier, den im Endspurt nun wieder erhebliche Personalsorgen plagen. Neben Robben, der nach fünfeinhalb Wochen Pause in der 68. Minute eingewechselt worden war, und Lewandowski sind derzeit auch David Alaba, Franck Ribéry und Holger Badstuber nicht einsatzbereit. Keine guten Voraussetzungen für Camp Nou.

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