Kaiserslautern Der deutsche Boxsport hat innerhalb von nur vier Tagen zwei ganz Große verloren. Nach dem tragischen Unfalltod des Ex-Weltmeisters Graciano Rocchigiani (54) auf Sizilien starb der frühere Europameister und Muhammad-Ali-Gegner Karl Mildenberger im Alter von 80 Jahren. „In dieser kurzen Zeit – wir sind sehr traurig“, sagte Thomas Pütz, der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), betroffen über den Verlust. Mildenberger starb am Freitag in seiner Heimatstadt Kaiserslautern in einem Hospiz.

Die Niederlage im WM-Titelkampf am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion durch Abbruch in der zwölften Runde gegen The Greatest machte ihn berühmt und sportlich unsterblich. Mildenberger war zweimal am Boden, leistete aber großen Widerstand gegen Ali, dem die Rechtsauslage des Pfälzers überhaupt nicht passte. 30 000 Zuschauer waren aus dem Häuschen und feierten ihren „Milde“ stürmisch als Vize-Weltmeister.

Ali adelte den Deutschen hinterher als „zweitschnellsten Schwergewichtler der Welt und am besten aussehenden weißen Boxer“. Wer der Schnellste und Schönste war, stand für Ali natürlich außer Frage. In seiner Karriere zwischen 1958 und 1968 bestritt Mildenberger 62 Kämpfe, von denen er 53 gewann. Für seinen Kampf gegen Ali kassierte er 220 000 Mark.

„Ich bin stolz drauf, mit Ali im Ring gestanden zu haben. Das war die Krönung meines Lebens“, hatte Mildenberger erklärt, der sich 1964 den EM-Titel im Schwergewicht erkämpft hatte. 1967 stand er sogar an der Weltranglisten-Spitze, nachdem Ali der Titel wegen Wehrdienstverweigerung aberkannt worden war. 1968 trat Mildenberger mit 31 Jahren zurück.

Zuletzt war er nach einer Knie-Operation auf den Rollstuhl angewiesen und wurde von seiner Frau Miriam aufopferungsvoll betreut. Nach seiner Karriere ging vieles, was er anpackte, schief. Als bei der Stadt Kaiserslautern angestellter Schwimmmeister ging Mildenberger mit 65 Jahren in Rente und lebte danach zurückgezogen in seinem Haus in Hohenecken.

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