VANCOUVER Genau genommen war Anni Friesinger nach Vancouver gekommen, um ihr drittes Gold bei Olympischen Spielen zu gewinnen. Das war ihr Plan. Aber dann war sie am vergangenen Mittwoch über die 1000 Meter nur 14. geworden. Sie wusste da schon, dass es wohl nichts werden würde mit einer Einzelmedaille, schon gar nicht mit Gold. Auch wenn sie es nicht so klar vor ihrem letzten olympischen Einzelrennen formulierte.

Medaille erhofft

Am Sonntag war ihr letztes Rennen bei Olympia vorbei. Danach wurde Friesinger eindeutiger. „Ich habe jetzt nicht den Olympiasieg erwartet“, gab sie zu. Bestenfalls mit einer Medaille habe sie geliebäugelt. „Die ist ja nicht weit weg“, stellte sie nach den 1500 Metern fest, die sie in 1:58,68 Minuten lief. Es klang ein bisschen trotzig. Zu Bronze, das die Tschechin Martina Sablikova in 1:57,96 Minuten gewann, fehlten ihr gute sieben Zehntel Sekunden. Zu Gold, das an die Niederländerin Ireen Wüst (1:56,89) ging, fast zwei.

Genau genommen hatte Anni Friesinger nicht wirklich eine Chance, bei Olympia in der Form anzutreten, die notwendig ist, um Gold zu gewinnen. Nicht, dass sie nicht prinzipiell dazu fähig wäre – aber eben nicht nach so einem Saisonverlauf. Friesingers Olympiasaison war durchfurcht von vielen Tiefen. Sie hatte schwerwiegende Probleme mit dem linken Knöchel und dem rechten Knie. Auch die Schweinegrippe schwächte sie länger als es gut war. Immer, wenn ein Rückschlag überstanden war, folgte der nächste.

Wer aber nur Rückschläge zu verkraften hat, der kann nicht vorwärts kommen. „Wir mussten alle zwei Monate das Vorbereitungsprogramm umwerfen“, sagte die 33-Jährige. „Unter diesen Voraussetzungen war nicht mehr möglich“, analysierte sie sachlich. Sie lächelte dabei.

Platz neun in Ordnung

Diesmal schien es nicht jenes trügerische Tapferkeitslächeln zu sein, das Sportler so gerne aufsetzen, wenn sie gute Miene zu schlechter Leistung machen wollen, und es in Wahrheit in ihnen brodelt. Es schien tatsächlich, als sei Friesinger mit sich und dem neunten Platz durchaus im Reinen. „Wenn ich die Favoritin gewesen wäre und hier versagt hätte, wäre es eine Enttäuschung“, ergänzte sie.

Und ein bisschen war es wohl der Rückblick auf die Spiele vor Turin vor vier Jahren, als die blonde Inzellerin im Vorfeld die Weltcups scheinbar nach Belieben dominiert hatte, bei Olympia aber mehr als die goldene Teammedaille nicht für sie herausgesprungen war.

Die Voraussetzungen in Vancouver waren nun wirklich ganz andere. Genau deshalb konnte Friesinger so locker mit der eigenen Medaillenlosigkeit umgehen: „Es ist zwar schade, mehr aber auch nicht. Ich habe keinen Frust. Ich kann mir nichts vorwerfen“, stellte sie fest.

Platz im Team fraglich

Zumal ihr ja auch bei diesen Spielen – wie auch vor vier Jahren – noch immer die Chance auf einen Olympiasieg bleibt, so sie sie bekommt. Sonderlich fest scheint Friesingers Nominierung für die Teamverfolgung am Freitag und Sonnabend jedoch nicht zu stehen. Zum einen ist die deutsche Mannschaft in den Weltcups bislang gut ohne Friesinger ausgekommen.

Zum anderen hat sie vor den Spielen für Aufregung gesorgt, als sie Gerald Lutz öffentlich das Vertrauen entzog. Der Erfurter Orthopäde agiert in Vancouver – obwohl in die Dopingcausa Pechstein verwickelt – als Mannschaftsarzt der deutschen Eisschnellläufer. Just deswegen hat Friesinger sich gegen in aufgelehnt – sehr zum Missfallen von Verbandspräsident Gerd Heinze. Das Aufbegehren könnte Friesinger die letzte Chance ihrer Karriere auf eine Olympische Medaille kosten.

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