HAMBURG /BERLIN Eistänzer Sascha Rabe erhebt gegen die Deutsche Eislauf-Union (DEU) schwere Vorwürfe und fordert Sportdirektor Udo Dönsdorf zum Rücktritt auf. „Herr Dönsdorf ist in seiner Position nicht mehr tragbar“, sagte Rabe. Der Eistänzer beschuldigt Dönsdorf, ihn im Sommer 2007 sexuell belästigt zu haben. Dönsdorf selbst hat laut DEU-Präsidium nur „einen flüchtigen Kuss“ eingeräumt, den der Sportler nicht wollte.

Vor vier Wochen hatte Rabe versucht, sich mit einem Mix aus Tabletten und Alkohol das Leben zu nehmen. „An diesem Abend war ich depressiv, hilflos, machtlos, es war ein tiefes Loch. In meinem Kopf spukte es: Es geht nicht mehr“, sprach jetzt Rabe zum ersten Mal über den Suizidversuch.

In Bezug auf Udo Dönsdorf habe er den Eindruck, der Verband wolle die Angelegenheit „unter den Teppich kehren“, sagte der 23-Jährige, der mit seiner Partnerin Tanja Kolbe bei den deutschen Meisterschaften 2008 Dritter im Eistanz war. „Wie sie mit mir umgehen, das geht nicht. Für sie sind Funktionäre mehr wert als Sportler, dabei machen doch die Sportler den Sport aus. Diese Ignoranz finde ich unbegreiflich.“

Dagegen kann DEU-Vizepräsident Uwe Harnos die neuerliche Attacke Rabes nicht verstehen. „Wir haben die Entscheidung getroffen, dass Herr Dönsdorf im Amt bleibt. Daran halten wir uns“, sagte er am Donnerstag. Harnos bewertet den Vorgang von vor zwei Jahren als „private Angelegenheit“ und ergänzte: „Herr Dönsdorf hat sich uns anvertraut. Außerdem liegt der komplette E-Mail-Verkehr von Herrn Dönsdorf mit Herrn Rabe vor. Darin erhebt Herr Rabe niemals den Vorwurf, dass ihm Gewalt angetan, dass er genötigt oder belästigt wurde oder Ähnliches. Es geht ausschließlich um einen flüchtigen Kuss“, sagte Harnos.

Rabes Vorwurf, hier werde etwas unter den Tisch gekehrt, verniedlicht oder sexuelle Gewalt in der Gesellschaft negiert, wies Harnos zurück. Im Gegenteil: „Wir haben den Sachverhalt dem Bundesinnenministerium und dem Deutschen Olympischen Sportbund geschildert“, sagte Harnos, der betonte, dass bei dem Vorfall kein dienstlicher Zusammenhang herzustellen sei.

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