Rastede Die Nacht legt sich langsam über den Rasteder Schlosspark. Nebelschwaden kriechen aus dem Wäldchen und hüllen das Turniergelände lautlos ein. Doch für stille Landschaftsbilder bleibt an diesem Sonnabend keine Zeit: Auf dem großen Springplatz steigt mit dem Showabend ein fulminantes Kontrastprogramm, das gleich zu Beginn verdeutlicht: Leistung, Ehrgeiz und Spaß müssen einander nicht ausschließen.

Beim Auftakt zum Showabend, dem Publikumsliebling „Ride and Drive“, sind neben den Gespannfahrern und Springreitern auch Zuschauer als Sprinter im Einsatz. Geschick, Wendigkeit, Schnelligkeit und pure Rasanz sind gefragt – die Zuschauer belohnen das Engagement der Athleten mit johlendem Applaus. Denn: Nicht die Leistung des Einzelnen zählt, sondern die Gesamtzeit eines Teams entscheidet über Sieg oder Niederlage. Mit dabei ist Lokalmatador und Springtalent Piet Menke. Doch an diesem Abend reicht es nicht fürs Treppchen. Die Mannschaft um Springreiterin Janne Sosath aus Lemwerder, Gespannfahrer Rainer Duen aus Friesoythe und „Sprinter“ Tim aus dem Publikum braucht für den Parcours nur sensationelle 132,04 Sekunden und lässt die anderen vier Teams hinter sich.

Ziegen auf dem Autodach

Dass Island eben doch Europameister ist – zumindest als Sieger der Herzen –, zeigt sich beim anschließenden Showprogramm, durch das Sportkommentator Carsten „Sosti“ Sostmeier unterhaltsam führt: Mit den inzwischen weit über alle Landesgrenzen bekannten „Uh, Uh“-Rufen lockt der Pferdeexperte zusammen mit den Zuschauern 17 vierbeinige Topathleten aus Island und deren Reiter ins Stadion. Passend zu dem Song „Cold as Ice“ eröffnet die Fahnenstafette der Isländerfreunde unter Leitung von Nana Degenhardt aus Farven bei Bremervörde in den islandpferdetypischen Gangarten Tölt und Pass temperamentvoll den großen Schauabend.

Weniger temporeich, aber mindestens genauso beeindruckend ist das schwarz-weiße Schaubild, das die Tiertrainerin Anne Krüger aus Melle mit ihrer zwölfjährigen Tochter Carla präsentiert. Gemeinsam dirigieren sie von den Rücken ihrer beiden Schimmel vier eifrige schwarz-weiße Border-Collies, einen Labrador sowie vier Waliser Schwarzhals-Ziegen fast wie von Geisterhand durchs Stadion. Zentimetergenau halten die Hunde die Ziegen mit den ausladenden Hörnern in Schach, treiben sie durch Tore, lassen sie über Hindernisse springen und sogar unter den Pferdebäuchen durchlaufen. Schließlich treiben die Hunde die Ziegen auf das Dach eines Jeeps – unter jubelndem Applaus lassen sie sich aus dem Stadion fahren.

Feuer und Schüsse

Nach diesem Höhepunkt für die Sinne geht es rauer zu. Vier Frauen der Polizeireiterstaffel Hannover zeigen dem Publikum, dass sie auch hoch zu Ross die Lage im Griff haben: Ob Feuer oder Platzpatronenschüsse, die Vierbeiner lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, sorgen bei den Zuschauern und insbesondere bei Pferdebesitzern immer wieder für „Ah“- und „Oh“-Rufe. Schließlich wissen die um das Schreckhaftigkeit ihrer Rösser. Pferde sind Fluchttiere, das scheint für die Polizeipferde nicht zu gelten.

Inzwischen ist Mitternacht längst vorbei, das Flutlicht erlischt. Die Islandfreunde kehren noch einmal als Fackelträger ins Stadion zurück und erinnern an die Zeiten der Wikinger. Nach dem abschließenden Feuerwerk wird es endgültig still im Schlosspark, die Nacht legt sich auch übers Turniergelände.


Mehr zum Turnier im Internet:   www.nwzonline.de/landesturnier 

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