Bremen Ein anderes Gesicht hatte Sportchef Frank Baumann von Werder Bremen gefordert – und er bekam es deutlich zu sehen. Doch auch eine kampfstarke, beherzte und sehr gute Vorstellung des Krisenteams der Fußball-Bundesliga reichte am Freitagabend nicht aus, um RB Leipzig im Halbfinale des DFB-Pokals zu bezwingen. Durch die dramatische 1:2 (1:1, 0:0, 0:0)-Niederlage nach Verlängerung zog das Champions-League-Team aus Sachsen in das Finale in Berlin am 13. Mai gegen Borussia Dortmund oder Holstein Kiel ein. Hee Chan Hwang (93. Minute) brachte Leipzig in der Extrazeit in Führung, Leonardo Bittencourt glich für die furios fightenden Bremer aus (105.+1), ehe Emil Forsberg Leipzig fast mit der letzten Aktion ins Glück schoss (120.+1),

Werder kann sich nun ganz dem Abstiegskampf widmen, in dem nach der Leistung von Freitagabend Florian Kohfeldt wohl weiter der Trainer sein wird. So couragiert und bissig, wie sich sein Team präsentierte, wäre es sehr verwunderlich, wenn die Bremer Bosse ihren wackelnden Trainer nun freistellen würden.

Überraschende Startformation

In der Startelf hatte Kohfeldt die eine oder andere Überraschung parat – allerdings auch notgedrungen. Die angeschlagenen Ömer Toprak (Wadenzerrung) und Milot Rashica (muskuläre Probleme) schafften es nicht in den Kader. In der Fünferkette bildeten somit Milos Veljkovic, Niklas Moisander und Christian Groß das Zentrum. Rashica wurde von Davie Selke ersetzt, der neben Niclas Füllkrug und Joshua Sargent angriff.

Eine weitere Überraschung gab es im Bremer Mittelfeld: Nicht der erfahrene Kevin Möhwald agierte an der Seite von Maximilian Eggestein, sondern Jean-Manuel Mbom. Der 21-Jährige hatte auch vor drei Wochen im Ligaspiel gegen Leipzig (1:4) in der Startelf gestanden, war dort überfordert gewesen und wurde zur Halbzeit (0:3) ausgewechselt. „Wir wollen physisch spielen, haben alle unsere Körperlichkeit zusammengekratzt, dir wir im Kader haben“, begründete Kohfeldt kurz vor dem Spiel seine Aufstellung.

Kampfstarke Bremer in erster Halbzeit

Für die Sachsen war es indes das erste Spiel seit der Bekanntgabe von Julian Nagelsmanns Wechsel zu Bayern München nach dieser Saison. Nach einer Außenrist-Flanke von Angelino und einem Kopfball von Alexander Sorloth musste Werder-Torwart Jiri Pavlenka bereits in der vierten Minute sein ganzes Können aufbieten. Leipzig diktierte von Beginn an, während die Gastgeber betont aggressiv in die Zweikämpfe gingen und lautstark auf dem Platz kommunizierten. Werder versuchte es immer wieder mit langen Bällen auf Selke und Füllkrug.

Der Plan ging beinahe perfekt auf, als Selke verlängerte und Sargent frei vor RB-Keeper Peter Gulacsi auftauchte, den Ball aber knapp am langen Pfosten vorbeischob (30.). Jetzt war Werder richtig gut in der Partie, war bissig, verwickelte Leipzig in viele Mann-gegen-Mann-Duelle und störte so den Spielfluss. Die anfängliche Überlegenheit der Gäste war dahin, Werder hatte seinen Pokal-Fight – und hätte fast einen Elfmeter zugesprochen bekommen. Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied zunächst auf Strafstoß nach dem Duell Selke gegen Nordi Mukiele, bemühte dann den Videobeweis, guckte sich minutenlang die Bilder an, ehe er erkannte, dass Selke gekreuzt und mit dem rechten Bein eingefädelt hatte – kein Elfmeter. Eine für Werder bittere, aber korrekte Entscheidung.

Bessere Leipziger in zweiter Halbzeit

Leipzig kam wieder etwas erholt aus der Pause und dominierte die ersten Minuten nach dem Wechsel. Angelino gab eine sehr gute Freistoßchance leichtfertig her (58.). Nun hatten die Roten Bullen permanent den Ball und dann wurde es ganz kniffelig: Willi Orban köpfte nach einer Ecke an die Latte, der Ball prallte auf den Boden, wieder hoch – und Werders Mbom riskierte alles, um ihn vor Mukiele zu klären. Eine starke Rettungstat kurz vor der Linie (65.).

Werder kam nun kaum noch hinten raus, war bei einem Kopfball des eingewechselten Yuya Osako (für Füllkrug) der Führung jedoch plötzlich ganz nahe (69.). Dann brauchte es die Fingerspitzen Pavlenkas und den Torpfosten, um auch gegen Christopher Nkunkus Abschluss den Rückstand zu verhindern – eine Riesen-Tat des tschechischen Keepers (78.). Es blieb beim 0:0. Kurios: Damit hatten beide Mannschaften auch nach den 90 Minuten des Halbfinales noch kein einziges Gegentor im gesamten Wettbewerb bekommen.

Hin und Her in Verlängerung

„Wir sind voll drin, wir haben uns das verdient“, schrie Kohfeldt seine im Kreis stehenden Spieler vor Beginn der Extrazeit an. Doch dann spielte sich Leipzig direkt einmal durch den Bremer Abwehrblock, profitierte von einem unglücklichen Abpraller von Gebre Selassie, den Hwang aufnahm und zum 1:0 traf. Werders Kräfte ließen nun zusehends nach, bis der künftige Münchner Dayot Upamecano sich einen folgenschweren Rückpass leistete, in den Werders Joker Leonardo Bittencourt sprintete und zum umjubelten 1:1 traf (105.+1). Das Spiel schien ins Elfmeterschießen zu gehen, dann schlug Leipzig eiskalt durch Forsberg zu und beendete den Bremer Finaltraum.

Baumann: Kohfeldt bleibt vorerst Trainer

Doch was passiert jetzt mit Florian Kohfeldt? Der bleibt trotz des verlorenen Halbfinals im DFB-Pokal weiter Werder-Trainer. „Florian wird Trainer bleiben. Wir glauben, dass wir in dieser Konstellation unser Ziel, den Klassenerhalt, auch erreichen können“, sagte Geschäftsführer Frank Baumann am Freitagabend nach dem 1:2 nach Verlängerung dem TV-Sender Sky.

Der kämpferische Auftritt habe gezeigt, dass die Mannschaft lebe und dass Kohfeldt in dieser Woche nochmal die richtigen Ansätze gefunden habe. „Wenn die Mannschaft auch in den nächsten Spielen so auftritt, dann bin ich überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen“, sagte Baumann, wollte dem Trainer aber keine Jobgarantie über die Saison hinaus geben.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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