Bremen Die große Sensation haben sie deutlich verpasst, ihr Jahrhundertspiel haben sie dennoch genossen – und das gekrönt von einem ganz großen Moment. Der Oberligist SV Atlas hat das Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen Bundesligist Werder Bremen am Samstagabend mit 1:6 (1:4) verloren, dabei aber sein großes Ziel erreicht. „Wir wollen unseren Fans ein Tor schenken“, hatte Trainer Key Riebau vor dem Nachbarschaftsduell gefordert und sein Wunsch wurde erhört. Delmenhorsts Tom Schmidt war nach 30 Minuten der gefeierte Held, der zum zwischenzeitlichen 1:2 traf und dabei die rund 12000 Atlas-Fans im Weserstadion in euphorischen Jubel versetzte.

Ohnehin: Mit 41500 Zuschauern bekam die Partie ihren erhofften Rahmen und ihren Rekord. Nie zuvor waren mehr Zuschauer zu einem Erstrundenspiel im DFB-Pokal in einem Stadion gewesen. Möglich wurde dies, weil der Deutsche Fußball-Bund extra für die Partie der beiden Nachbarn sein Regelwerk änderte und einer Austragung im Weserstadion zustimmte. Offiziell war dennoch der Fünftligist aus Delmenhorst die Heimmannschaft.

Atlas-Trainer Riebau hatte sich ein 5-4-1-System zurechtgelegt, mit dem sich die Delmenhorster gegen den Bremer Ansturm wehren wollten. Die beiden etatmäßigen Innenverteidiger Karlis Plendiskis und Leon Lingerski wurden im Zentrum durch den erfahrenen Florian Stütz unterstützt, auf Außen verteidigten Julian Harings und Oliver Rauh. Damit standen gleich fünf frühere Oldenburger Spieler in der Fünferkette von Atlas.

Die erste große Chance der Partie resultierte aus einer Standardsituation: Nuri Sahin zirkelte einen Freistoß aus 18 Metern an das Außennetz (6.). Nach neun Minuten hebelte der Bundesligist den Fünftligisten erstmals aus. Kapitän Niklas Moisander verlagerte mit einem Diagonalball über die gesamte Defensive auf rechts zu Theodor Gebre Selassie, der legte direkt quer und Yuya Osako schob zum 1:0 ein. Werder drückte permanent, hatte gefühlt die gesamte Zeit den Ball und schnürte den Gegner ein. Ein Schlenzer von Milot Rashica wurde geblockt (17.), ein Kopfball von Gebre Selassie gerade noch von der Linie gekratzt (18.), ein weiterer Schuss von Rashica im letzten Moment abgefälscht (19.). Nach der anschließenden Ecke war Moisander am zweiten Pfosten frei und netzte zum 2:0 ein (20.).

Bremen dominierte – aber in der 30. Minute hatte der SV Atlas seinen großen Moment: Rauh, Kapitän Nick Köster und Marvin Osei spielten sich mit einer herausragenden Kombination von der rechten Defensive aus nach vorne, letztlich legte Rauh den Ball auf links herüber, wo Tom Schmidt, der in der Jugend des JFV Nordwest in Oldenburg ausgebildet wurde, angerauscht kam und aus vollem Lauf aus 18 Metern mit rechts ins linke untere Eck schoss und dabei Werder-Torwart Jiri Pavlenka alt aussehen ließ. Es war der erste Torschuss der Delmenhorster, der gleich für frenetischen Jubel sowohl bei den Spielern als auch bei der Trainerbank und den rund 12000 Atlas-Anhängern im Weserstadion sorgte.

Wirklich beeindrucken konnte das den Favoriten natürlich dennoch nicht. Werder schüttelte sich kurz, dann trafen Rashica (37.) und Davy Klaassen (40.) noch vor der Pause zum 4:1 – und trotzdem waren die Delmenhorster in der Halbzeitpause wohl zufriedener als die Bremer.

Nach dem Wechsel war Werder zunächst nicht mehr so zielstrebig wie vor der Pause. Marco Prießner hatte sogar eine gute Gelegenheit, für Delmenhorst zu verkürzen, traf jedoch nur das Außennetz (52.), ein Schuss von Harings wurde zudem geblockt (56.). In dieser Phase hatte Delmenhorst drei Ecken in Serie, die allesamt nicht ungefährlich waren. Werder-Trainer Florian Kohfeldt wirkte in diesen Minuten zunehmend unzufriedener an der Seitenlinie.

Ein Schuss von Osako meldete die Bremer dann auch in Halbzeit zwei an (63.). Als zwei Minuten später Vereinslegende Claudio Pizarro eingewechselt wurde, jubelte dann mal wieder das ganze Stadion – und wieder nur drei Minuten später war der 40-Jährige gleich zur Stelle. Einen Querpass des ebenfalls eingewechselten Niclas Füllkrug spitzelte der Peruaner zum 5:1 über die Linie (68.). Und Pizarro setzte noch einen drauf, umkurvte am gegnerischen Strafraum die Atlas-Defensive und schlenzte dann mit all seiner Klasse den Ball aus 16 Metern in die lange Ecke (75.). Der Rest war eine Feier auf beiden Seiten, die Delmenhorster Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit minutenlangen „SV Atlas Ole“-Rufen aus der Partie.

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Atlas Delmenhorst: Urbainski – Lingerski, Plendiskis, Harings, Rauh, Köster, Schmidt, Karli (72. Hein), Stütz, Osei (80. Radke), Priessner (77. Plichta).

Werder Bremen: Pavlenka – Friedl (46. Möhwald), Groß, Moisander, Gebre Selassie, Sahin, M. Eggestein, Klaassen, Rashica, Sargent (62. Füllkrug), Osako (65. Pizarro).

Tore: 0:1 Osako (9.), 0:2 Moisander (20.), 1:2 Schmidt (30.), 1:3 Rashica (37.), 1:4 Klaassen (40.), 1:5 Pizarro (68.), 1:6 Pizarro (75.).

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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