Bremen Auf die Pokal-Freude folgt der Liga-Frust: Drei Tage nach dem Einzug in das Halbfinale des DFB-Pokals durch einen 1:0-Sieg bei Jahn Regensburg hat Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga die vierte Niederlage in Serie kassiert und dabei eine Lehrstunde erteilt bekommen. Gegen den Tabellenzweiten RB Leipzig war die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt von Beginn an chancenlos und ging mit 1:4 (0:3) als verdienter Verlierer vom Platz. Sieben Spieltage vor dem Saisonende nähern sich die Bremer damit dem ungeliebten Relegationsplatz, den sie schon am Ende der Vorsaison belegten, wieder an. Fünf Zähler beträgt Werders Vorsprung auf Rang 16 nur noch – vor diesen vier Pleiten in Serie waren es noch elf Punkte. Dani Olmo (23. Minute), Alexander Sorloth (32., 41.) und Marcel Sabitzer (63.) trafen zum hochverdienten Sieg des letztjährigen Champions-League-Halbfinalisten. Milot Rashica verwandelte einen Foulelfmeter zum zwischenzeitlichen 1:3 (61.).

Überraschende Startelf

Dass Florian Kohfeldt seine Startelf ändern musste, stand vorher fest – in Maximilian Eggestein (Gelbsperre), Niclas Füllkrug (Zehenbruch) und Ludwig Augustinsson (Muskelverletzung) fehlten drei Spieler, die zuletzt bei der 0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart von Beginn an aufliefen. Wen Werders Trainer aber aufbot, überraschte doch: Im Sturm gab an der Seite des zuletzt nur als Joker eingesetzten Davie Selke und Joshua Sargent der gebürtige Bremer Eren Dinkci (19) sein Startelf-Debüt in der Bundesliga. Die erfahrenen Milot Rashica und Pokal-Siegtorschütze Yuya Osako saßen nur auf der Bank. Im zentralen Mittelfeld war Christian Groß als Eggestein-Ersatz zu erwarten gewesen, Jean-Manuel Mbom tauchte allerdings unerwartet anstelle des routinierten Kevin Möhwald auf. In der Fünferkette ersetzte Felix Agu wie erwartet auf der linken Seite Augustinsson.

Vorführung in erster Halbzeit

Nach dem Freitagabend-Sieg von Arminia Bielefeld (1:0 gegen Freiburg) war Werders Vorsprung auf den Relegationsplatz auf fünf Punkte geschmolzen. „Wir sind noch nicht durch“, mahnte Kohfeldt kurz vor dem Anpfiff. Die erste Chance der Partie hatten dennoch die Leipziger, als Justin Kluivert nur das Außennetz traf (13.). Werders erste kleine Möglichkeit hatte Debütant Dinkci, der aus 16 Metern aber recht deutlich über das Tor schoss (21.).

Wenig später führte die erste herausragende Kombination der Sachsen zum ersten Tor: Olmo setzte per Hacke Kevin Kampl ein, der steckte wiederum auf den durchstartenden spanischen Nationalspieler durch, der den Ball in den Winkel schlenzte – Werder sah dabei zwar schlecht aus, der Spielzug war aber auch sensationell. Wesentlich schlechter verteidigten die Bremer vor dem 0:2: Christopher Nkunku durfte unbedrängt flanken, Sorloth setzte sich ab und köpfte völlig frei stehend zum zweiten Treffer ein. RB hatte zu diesem Zeitpunkt 72 Prozent Ballbesitz – Ausdruck der großen Überlegenheit der Gäste, die zudem effektiv ihre Chancen und Werders Fehler nutzten. Vor dem 0:3 spielte Marco Friedl einen Fehlpass, Willi Orban preschte rechts nach vorne, brachte den Ball scharf rein und Sorloth musste nur noch den Fuß hinhalten.

Dreifach-Wechsel zur Pause

Kohfeldts Idee, junge Spieler hineinzuschmeißen, war bereits nach 45 Minuten krachend gescheitert. So musste der Trainer auf den chancenlosen Auftritt seiner Mannschaft und seinen gescheiterten Plan, nach dem Pokal-Viertelfinale am Mittwoch einige junge, frische Kräfte zu bringen, reagieren. Für den 19-jährigen Dinkci, der gegen die körperlich robusten Leipziger Verteidiger auf verlorenem Posten stand, kam zur zweiten Halbzeit Rashica. Möhwald ersetzte den 21-jährigen Mbom, der im Mittelfeld unterging. Milos Veljkovic kam zudem für den angeschlagenen Ömer Toprak und machte den Dreifach-Wechsel perfekt.

Sabitzer kontert Rashica

Ein Freistoß von Rashica brachte auch gleich mal die größte Bremer Torgefahr (51.). Dann half Leipzig Werder beim Toreschießen: Marcel Sabitzer wehrte eine Flanke ab, der Ball sprang an die Hand von Kampl – Elfmeter. Diesen verwandelte Rashica sicher zum 1:3. Die Hoffnung, dass vielleicht noch eine Wende möglich ist, hielt keine zwei Minuten, da schob Sabitzer zum vierten Leipziger Treffer ein. Werder war zwar jetzt etwas besser im Spiel, der deutliche Sieg der Gäste, die den Vorsprung nur noch verwalten wollten, geriet aber nie in Gefahr.

Wiedersehen im Pokal

Am 30. April (20.30 Uhr) hat Werder bereits die Chance, es besser zu machen: Dann geht es erneut im Weserstadion gegen die Leipziger um den Einzug ins Pokalfinale.

NWZ Bundesliga-Tippspiel 20/21
Wer wird Tippspiel-König 20/21? Am besten gleich mittippen und jeden Spieltag um einen 50€-Gutschein von Möbel Weirauch spielen!

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.