Bremen Florian Kohfeldt sprach von einem „grausamen Tag“, und dass das „Kollektiv gar nix war“. Kapitän Theodor Gebre Selassie kritisierte, dass Werder Bremen am Sonntagabend beim 0:4 bei der TSG Hoffenheim „alles vermissen lassen“ und „billige Gegentore“ kassiert hatte. Und der erstmals seit Wochen ganz schwache Abwehrchef Ömer Toprak traf es auf den Punkt: „Wir haben nichts auf den Platz gebracht, wirklich nichts. Weder fußballerisch, noch körperlich. Es war ein sehr schlechtes Spiel von uns.“ Das zeigt: Der Ton an der Weser wird wieder rauer. Die Sorgen wachsen, dass erneut ein Abstiegskampf bis in die Schlussphase der Saison hinein droht.

Schwache Dreierkette

Um das Spiel bei der von 13 Ausfällen arg gebeutelten TSG mit seinem Team zu analysieren, wird Kohfeldt einige Zeit benötigen – zu viele Fehler leistete sich Werder. Hauptgrund für das Debakel in Sinsheim war, dass die ansonsten so stabile Defensive komplett versagte. Vor allem die Leistungsträger Toprak (leistete sich vor dem 0:1 und 0:3 zwei Stellungsfehler), Marco Friedl (spielte ganz schwach und einen katastrophalen Fehlpass vor dem 0:3) und Milos Veljkovic (ging vor dem 0:2 nicht in den Zweikampf, wurde zur Pause ausgewechselt) patzten. Und weil Werder sein Selbstvertrauen aus einer kompakten Abwehr heraus aufbaut, übertrug sich die Verunsicherung auf das ganze Team. Steht die Abwehr nicht, ist Werder nicht erstligareif – das ist eine Erkenntnis des grausamen Abends von Sinsheim.

Schwächere Stürmer

Überdies lief nach vorne – wie so oft in dieser Saison – überhaupt nichts zusammen. Werder kreierte nicht eine Torchance. Ein Faktor dafür ist, dass Milot Rashica weiter meilenweit seiner Form aus früheren Zeiten hinterherläuft. Joshua Sargent wirkt zudem überspielt, nicht mehr so spritzig wie zu Saisonbeginn. Gut möglich, dass ihn Niclas Füllkrug (gab ab der 56. Minute ein wirkungsloses Comeback) bald aus der Startelf verdrängt. Auch Leonardo Bittencourt, der mal wieder eine Chance von Beginn an bekam, ging völlig unter – ihm droht nach dieser Leistung eine Rückkehr auf die Bank. Die Offensiven bekamen allerdings auch keinerlei Anspiele aus dem Mittelfeld – es war eben ein Totalausfall in Sinsheim.

Die Lage

Dass Werder (23 Punkte) weiter einen Vorsprung von fünf Zählern auf den Relegationsplatz (Bielefeld, 18) inne hat, wirkt erst einmal beruhigend. Dafür ist der Abstand auf den ersten Abstiegsplatz, wo die formstarken Mainzer (17) zuletzt zehn Punkte aus fünf Partien holten und dabei Leipzig, Union Berlin sowie Borussia Mönchengladbach besiegten, rasant geschmolzen. Die Rheinhessen, die schon abgeschlagen waren, müssen Werder Sorgen machen – sie spielen nun gegen Augsburg, bei Schalke 04, gegen Freiburg, bei Hoffenheim, gegen Bielefeld. Mainz hat in dieser Zeit die Chance, seit langer Zeit die Abstiegsplätze zu verlassen.

Der Ausblick

Werder wiederum hat noch ein Nachholspiel, was das gemischte und dennoch happige Programm der nächsten Wochen gleichwohl nicht einfacher macht. An diesem Freitag (20.30 Uhr) kommt in Eintracht Frankfurt das Team der Stunde und die beste Mannschaft der Liga im Jahr 2021 an die Weser. Es folgt am Dienstag (2. März) bei Zweitligist Jahn Regensburg das Viertelfinale im DFB-Pokal, das einige Kräfte kosten wird. In der Liga geht es danach zu zwei ganz wichtigen Auswärtsspielen gegen direkte Rivalen – beim 1. FC Köln (7. März) und in der Nachholpartie bei Arminia Bielefeld (10. März) darf Werder sich keine weiteren Totalausfälle leisten. Zum fünften Spiel innerhalb von 16 Tagen kommt dann Rekordmeister Bayern München (13. März) ins Weserstadion – ein Fünferpack, der zeigen wird, wo der Weg für Werder hingeht. „Wir müssen in dieser Phase, auch wenn wir im Soll sind, aufpassen. Wir brauchen noch Punkte“, sagte Kohfeldt nach der Nicht-Leistung von Sinsheim.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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