Blair Castle Als die Queen zum Gold gratulierte, grinsten Michael Jung und Sandra Auffarth vergnügt. Die beiden deutschen Spitzenreiter der Vielseitigkeit bückten sich, damit Elizabeth II. ihnen die Goldmedaille um den Hals hängen konnte. Die englische Königin plauderte kurz mit den Ausnahmereitern und gratulierte anschließend per Handschlag. „Das war schon etwas ganz besonderes. Sie war ganz locker. Wir haben einen kurzen Smalltalk gehabt“, sagte Auffarth danach.

Die Doppel-Weltmeisterin aus Ganderkesee (Kreis Oldenburg) bestätigte auf ihrem französischen Wallach Opgun Louvo (Spitzname „Wolle“) bei der Vielseitigkeits-EM im schottischen Blair Castle einmal mehr ihre starke Form. Mit Silber im Einzel hinter ihrem Mannschaftskollegen Jung und dem souveränen Gold im Team (zusammen mit Jung, Dirk Schrade und Ingrid Klimke) demonstrierte die 28-Jährige, dass sie auch bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im kommenden Jahr zu den großen Medaillenfavoriten zählt.

Probleme im Gelände

„Es ist unglaublich, wie geschlossen das Team ist. Da ist man stolz, dabei zu sein“, sagte Auffarth. Am Freitag hatte sie auf ihrem „Wolle“ in der Dressur die Führung übernommen. Am Sonnabend fiel sie dann aber aufgrund widriger äußerer Umstände hinter Jung auf den zweiten Rang in der Einzelwertung zurück.

Unter erschwerten Bedingungen aufgrund starken Regens musste Auffarth zusätzlich wegen einer Reparaturarbeit an der Strecke am fünften Hindernis stoppen und durfte erst nach einer mehrminütigen Unterbrechung mit „Wolle“ weiterreiten. Es sei aber „kein Problem“ gewesen, sagte die Doppel-Weltmeisterin zwar kurz danach. Via Facebook machte die 28-Jährige am Sonnabendabend aber doch deutlich, dass sie nicht glücklich mit der Situation gewesen war und äußerte Kritik: „Da ich ja auf der Strecke angehalten wurde, konnte man die Zeit nur sehr schwer nachvollziehen. Ich muss für mich sagen, dass ich das Gefühl hatte, dass wir keine 25 Sekunden über die Zeit waren. Wolle und ich haben so viele Kurse zusammen bestritten. Daher habe ich mittlerweile eigentlich ein ganz gutes Gefühl, wie wir in der Zeit sind“, erklärte Auffarth.  

„Muss man hinnehmen“

Sie habe alle Hindernisse auf dem Gelände direkt angeritten. „Wolle“ sei super fit ins Ziel galoppiert, „da erscheinen die Zeitfehler schon recht viel. Naja, so muss man es nun leider hinnehmen“, kommentierte Auffarth.

Gerade wegen dieser Erschwernisse zeigte sich die 28-Jährige zufrieden mit dem Erreichten und hob die Leistung ihres Wallachs Opgun Louvo hervor. „Ich bin dennoch unglaublich stolz auf Wolle, er ist einfach der Allerbeste. Ich kann mich auf ihn verlassen. Wie er so ein Turnier abspult, ist toll“, sagte die Ganderkeseerin.

„Das ist unglaublich“, kommentierte derweil Doppel-Europameister Jung und gab mit Blick auf das abschließende Springen am Sonntag zu: „Im Parcours war es dieses Mal Nervenzittern.“ Aber sein achtjähriges Pferd Takinou, das jüngste im Wettbewerb, blieb trotz Problemen am Anfang ohne Abwurf und brachte die Führung sicher ins Ziel. So siegte Jung mit insgesamt 33,50 Strafpunkten letztlich klar vor Auffarth (42,60).

Bundestrainer zufrieden

„Das ist sensationell“, rief Bundestrainer Hans Melzer, ehe er sich genüsslich den ersten Schluck Whisky gönnte. „Mit so einem Ergebnis zu gewinnen, das ist unglaublich“, sagte der Coach: „Alle sind im Springen ohne Fehler geblieben, besser geht es nicht.“

Das Quartett mit Jung, Auffarth, Klimke und Schrade war so überlegen, dass es vor dem letzten Ritt von Jung als Sieger der Teamwertung feststand und nur 122,70 Strafpunkte sammelte. Zweite wurde die britische Equipe (173,30) vor Frankreich (183,70).

Auffarth indes kann mit einem guten Gefühl zurück nach Ganderkesee reisen. Angesprochen auf die Ziele für Rio 2016 gab sich die 28-Jährige trotz ihrer Ausnahmestellung gewohnt zurückhaltend: „Ich hoffe, dass alle fit bleiben. Es gibt auch guten Nachwuchs, der nachkommt.“

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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