Hamburg (dpa) - Pierre-Michel Lasogga ist im Hamburger Volkspark derzeit das Maß aller Dinge. Der Torjäger des Bundesliga-Absteigers hat eine Glückssträhne und hofft, dass diese noch lange anhält.

Beim 3:0 im Zweitliga-Spiel gegen Arminia Bielefeld traf er zweimal, im DFB-Pokal acht Tage zuvor hatte er beim wackligen 5:3 gegen den Fünftligisten TuS Erndtebrück als Einwechsler ebenfalls zwei Tore beigesteuert und das Weiterkommen gesichert. "Das gibt Selbstvertrauen", sagte der bullige Mittelstürmer. "Das tut einfach richtig gut."

Momentan kommt auch Trainer Christian Titz an dem 26-Jährigen nicht vorbei. "Er hat heute den Unterschied ausgemacht", betonte der Coach, der nach dem 0:3 zum Auftakt gegen Holstein Kiel mächtig geknickt war. Jetzt katapultierte sich sein Team auf Rang drei. Eigentlich will Titz je nach Gegnerspielweise rotieren lassen zwischen den Mittelstürmern Lasogga, Fiete Arp und Manuel Wintzheimer oder gar stürmerlos mit Mittelfeldakteur Aaron Hunt als spielintelligenter hängender Spitze in die Partie gehen.

Mit seinen Toren hat Lasogga aber die besten Argumente auf seiner Seite. Warum sollte er wieder auf der Bank schmoren?, wird er sich fragen. Gegen Bielefeld stand er erstmals seit November 2016 in einem HSV-Heimspiel in der Startelf. Dazwischen lag allerdings eine Saison beim englischen Zweitligisten Leeds United (31 Spiele, 10 Tore).

Lasogga kennt auch Durststrecken, in denen er Schmährufe und Abschiebungen auf Bank und Tribüne erleiden musste. "In den letzten Jahren konnte ich das nicht immer zeigen. Jetzt will ich an die erfolgreiche Zeit anknüpfen", verkündete er. Die kampfgeprägte 2. Liga scheint ihm dabei zu liegen. Schon bei Hertha BSC im Unterhaus wühlte und kämpfte er sich durch: 14 Tore in 32 Spielen. "Ich brauche den Körperkontakt. Ich bin in der Box zu Hause. Das ist mein Arbeitsbereich. Gerade in der 2. Liga ist es wichtig, einen Spieler zu haben, der das macht. Ich haue mich überall hinein", beschrieb sich der Torjäger.

Das Selbstbewusstsein ist so groß, dass Lasogga als Gefoulter kurz vor Schluss selbst zum Elfmeter antrat. Da hatte auch Lewis Holtby, die eigentliche Nummer eins am Elfmeterpunkt, wenig Gegenargumente. "Ich hatte gerade Rückenwind durch mein erstes Tor und habe mich gut gefühlt. Daher habe ich das zweite Tor auch noch mitgenommen", erläuterte der Mann des Tages seine forsche Gangart. Holtby nahm es gelassen: "Er ist Stürmer und braucht die Tore."

Die Freude über den klaren Sieg wird Titz mit Sicherheit nicht den Blick für die Defizite vernebeln. Von einer guten spielerischen Leistung war sein Team weit entfernt. Passgenauigkeit, Zweikampfverhalten, Umschaltspiel, Defensivarbeit - es hakte am Montagabend häufig. Solche Partien können auch schnell verloren gehen. "Das 3:0 gibt den Spielverlauf nicht wieder", befand Titz. Aber er weiß auch, so lange er einen treffsicheren Lasogga in seinen Reihen hat, darf sich die Mannschaft auch mal Fehltritte leisten.

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