Oldenburg Die Liste der Favoriten war lang, ihr Name fehlte allerdings darauf. Kendra Claricia Brinkop belehrte die Experten jedoch eines Besseren. Denn die 22-jährige Amazone gewann am Sonntag den mit 40 000 Euro dotierten Großen Preis von Oldenburg. Damit sorgte sie zum Abschluss des Agravis-Cups in der großen EWE-Arena für eine dicke Überraschung.

Mit blau-roter Schärpe drehte die Springreiterin aus Neumünster die Siegerrunde, nachdem ihr zu Ehren die Nationalhymne ertönt war. „Damit habe ich nicht gerechnet“, staunte sie über sich selbst und lobte ihren erst achtjährigen Hengst A la Carte. Dass sie auch mit mehr PS rasant unterwegs ist, demonstrierte sie auf der zweiten Ehrenrunde mit ihrem soeben gewonnenen Mitsubishi. Im Stechen zuvor lag Brinkop nach einem Nullfehlerritt knapp vorn (35,00 Sekunden) und feierte ihren ersten internationalen Triumph überhaupt. Zweiter wurde Jörg Oppermann auf Che Guevara (0/35,11) vor Lokalmatador Mario Stevens (Molbergen) und Banana Pancake (0/35,83).

„Das Stechen von Kendra war vom Allerfeinsten. Da hätten noch zehn Reiter kommen können und hätten sie nicht verdrängt. Hut ab“, lobte Stevens, der als letzter Starter noch einmal alles versucht hatte. Im anspruchsvollen Rundkurs von Parcourschef Hans-Werner Sattler (Hatten) blieben im ersten Umlauf zehn von 63 Reitern fehlerlos. Darunter auch der Cloppenburger Joachim Heyer, der am Ende einen beachtlichen fünften Platz belegte (0/38,70). Sein 12-jähriger Wallach Aquarell wurde vom Züchterverband als bestes Oldenburger Pferd ausgezeichnet.

Nicht ganz so gut lief es für die erfolgsverwöhnten Reiter aus den Niederlanden. Vorjahressieger Gert-Jan Bruggink verpasste nach einem Abwurf das Stechen. Sein Landsmann Jur Vrieling leistete sich im Finale einen Fehler und wurde Achter.

Siegerin Brinkop gönnte sich derweil keine Atempause. Direkt im Anschluss an den Großen Preis ritt sie noch das Finale der Mittleren Tour. „Für dieses Jahr habe ich alle Pflichten erfüllt“, kommentierte sie zufrieden.

Das war auch Turnierchef Dr. Kaspar Funke. „Der Agravis-Cup braucht junge Gesichter wie Kendra“, würdigte er die Leistung der Siegerin und zog am Sonntag ein positives Fazit – auch wenn der angepeilte Zuschauerrekord von mehr als 25 000 Besuchern an den vier Turniertagen verpasst wurde.

„Es waren 24 500 Zuschauer da, damit können wir mehr als zufrieden sein“, sagte Funke. Am meisten Steigerungspotenzial habe noch der Freitag. „Wir müssen da mehr Schulklassen in die Halle bekommen, da waren wir schon einmal besser“, sagte Funke und sprach auch an, dass das erste große Springen fast bis Mitternacht gedauert hatte: „Das hat sich doch sehr lang hingezogen, da können wir uns verbessern.“ Dass der Vertrag mit der Weser-Ems-Halle um fünf Jahre bis 2022 verlängert wurde, wertet er als positives Signal für die Zukunft.

Die dürfte in Oldenburg auch Kendra Claricia Brinkop gehören. Vor dem Agravis-Cup 2017 wird ihr Name bei den Experten sicherlich auf der Liste stehen.

Kommentar

Wenn eine Olympiasiegerin etwas über das eigene Event sagt, hört man als Veranstalter stets genau hin. „Ich glaube, dass das Turnier in den nächsten Jahren noch mehr Anerkennung bekommen wird“, betonte in dieser Woche Dressurreiterin Kristina Bröring-Sprehe und lobte ausdrücklich die Entwicklung des Agravis-Cups in Oldenburg.

Die Zahlen sprechen für sich. Etwa 24 500 Zuschauer kamen in diesem Jahr in die Arena – ein neuer Rekord wurde nur knapp verpasst. Ganz nebenbei wurde der Vertrag mit der Weser-Ems-Halle um fünf Jahre bis 2022 verlängert. Ein Zeichen von Konstanz und Akzeptanz.

Die Macher um Turnierchef Kaspar Funke hören Komplimente wie das der Olympiasiegerin sicher gern – ausruhen werden sie sich darauf freilich nicht. Gerade für den Freitag hat Funke noch Steigerungspotenzial erkannt. Mehr Schülergruppen würden tagsüber hier für eine bessere Atmosphäre sorgen. Dass zudem das erste große Springen am Freitag bis in die späte Nacht lief, ist nicht gerade zuschauerfreundlich und muss optimiert werden.

Aus dem Lager der Reiter hörte man allerdings dieser Tage nur Lob für die guten Bedingungen. Der Agravis-Cup wächst weiter. Und er ist längst fest in den Köpfen der Reitregion verankert. Damit ist das Oldenburger Turnier auf dem Sprung, in den nächsten Jahren noch größer zu werden.

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Lars Blancke
Redakteur
Sportredaktion

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