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Vom Parkplatz Wehdestraße 97 führt der Weg vorbei am kleinen Häuschen mit dem Schild „Tant Meier“ zum Hauptgebäude mit der großen Eingangstür. Die älteren Besucher können das Wort in deutscher Schrift über der Tür wahrscheinlich noch lesen oder vielleicht doch nur erraten: „Schulmuseum“. Im Eingangsbereich sind bereits die ersten Schulmöbel zu entdecken. Dann geht es direkt hinein in den Raum „Historischer Unterricht“. Eine Zeitreise in die Schulzeit der letzten 100 Jahre steht auf dem Stundenplan. Heike Ahlborn, Geschäftsführerin des Nordwestdeutschen Schulmuseums erwartet die Besuchergruppe. Das älteste eigenständige Schulmuseum Deutschlands liegt in der Gemeinde Zetel, Landkreis Friesland. Bis 1975 wurde in diesem Schulgebäude unterrichtet, ehe im Zuge der Schulreform die Schließung erfolgte und die Schule leer stand. Auf Privatinitiative des Lehrerehepaares Bodo und Ursel Wacker wurde 1978 das Schulmuseum Bohlenbergerfeld eröffnet, um das Leben und Lernen in einer Landschule von 1900 bis Mitte der 70er Jahre darzustellen.

Vom Rohrstock und der Lümmelbank

Bevor es ins Klassenzimmer geht, ziehen die „Mädchen“ eine Schürze an, die „Jungs“ bekommen einen Matrosenkragen – und Holzschuhe ziehen alle an. Die „Schülerinnen“ und „Schüler“ bekommen für die 45-minütige Unterrichtsstunde einen anderen Namen – beispielsweise Else, Heinrich, Erwin, Elisabeth, Charlotte, Luise. Dann heißt es: Hinsetzen! Die Lehrer, zur Verfügung stehen drei „Lehrkräfte“ – zwei Männer, eine Frau -, nehmen die Besucher mit: „Wir machen eine Zeitreise, ab jetzt ist es ernst und es wird nicht geschwatzt.“ Der „Lehrer“ hat das Sagen.

Vieles wird spielerisch demonstriert. Es muss auch schon mal ein „Schüler“ nach vorne in die Lümmelbank. Angedeutet wird, dass es mit dem Rohrstock für die Jungs etwas auf den Hosenboden gibt und für die Mädchen vorne auf die Fingerkuppen oder auf die Hand. „Das habe ich früher auch noch bekommen“, erinnert sich Besucher Wolfgang Andree. „Ich war vor über 20 Jahren schon mal hier zum Unterricht und weiß, dass einer aus unserer Gruppe in der Ecke stehen musste“, schmunzelt Besucherin Dagmar Hedemann.

Schule vor 100 Jahren im historischen Klassenzimmer

Geschäftsführerin Heike Ahlborn erläutert, dass es ein Anliegen sei, sowohl Kindern als auch Erwachsenen zu verdeutlichen, dass Schule vor 100 Jahren kein Spaß gewesen sei. Schule hätte sehr viel mit Druck, Angst und Schlägen zu tun gehabt. Es habe sicherlich auch Lehrer gegeben, die versucht hätten, es anders zu machen, aber größtenteils sei nicht darüber nachgedacht worden, dass Unterricht auch ohne Schläge möglich wäre.

„Ich bin 1954 eingeschult worden. Wenn man den Lehrer zuvor nicht gegrüßt hatte, gab es am nächsten Tag Konsequenzen“, erzählt „Schüler“ Horst Webermann und fügte hinzu: „Ich bewundere den Lehrer, der in der Lage war, alle Kinder altersgerecht zu unterrichten und zu beschäftigen.“ In der ersten und zweiten Klasse wurde mit Griffel geschrieben, ab dritte Klasse mit Feder. „Und das Papier war nicht holzfrei – das war nicht schön“, weiß Wolfgang Andree.

Archiv und Dauerausstellungen

Es gibt viel zu entdecken im Schulmuseum Bohlenbergerfeld: Die Bibliothek ist mit über 28000 Bänden mehr als reich bestückt. „Wir haben mit weit über 4000 Schulwandbilder nach dem Schulwandbild-Archiv in Würzburg die größte Sammlung“, betont Heike Ahlborn. Das Haus verfüge über verschiedene Ausstellungsräume, die größtenteils selbsterklärend seien. Im Obergeschoss zeigen eine zweite Dauerausstellung mit Exponaten und Bildern das Schüler- und Lehrerleben vor 100 Jahren und ein Klassenraum den Aufbau aus den 50er/60er Jahren.

Erlebnis Schulmuseum

Es gibt verschiedene Möglichkeiten das historische Schulmuseum kennenzulernen: Als Unterrichtsstunde mit Lehrer, als Führung durch das Gebäude oder als Kombination beider Varianten. Auch Kindergeburtstage können ebenso im Schulmuseum gefeiert werden wie Feierlichkeiten von Erwachsenen. Nähere Informationen unter Tel. 04453 – 1381 oder per Mail unter info@schulmuseum.de .


     www.schulmuseum.de 
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