Der Corona-Lockdown Mitte März hat unzählige Veränderungen für die Menschen bedeutet – egal, ob für Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder Senioren. Quasi von einem Tag zum nächsten war nichts mehr so wie vorher. Die Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen gehören zur Kategorie des gefährdeten Personenkreises. „Plötzlich waren alle Außenkontakte gekappt, Angehörige durften ihre Verwandten in Alten- und Pflegeheimen nicht mehr besuchen“, erklärt Pastor Stefan Grünefeld. Dem Pfarrer aus Hooksiel lagen zu Beginn der Corona-Pandemie, der Schließung der Kirchen und Absagen der Gottesdienste besonders auch die älteren Menschen sehr am Herzen.

Zügig wurden in nahezu allen Kirchengemeinden neue Formen gefunden, Gemeinde zu leben und für die Menschen da zu sein.

Digitale Medien eingesetzt

Neben Telefon und E-Mails wurden digitale Kanäle und soziale Medien intensiver genutzt. Da keine öffentlichen Gottesdienste mit Besuchern erlaubt waren, haben die Kirchengemeinden neue Konzepte entwickelt. Es wurden Angebote zum Ausdrucken für Gottesdienste zuhause, aber auch digitale Gottesdienste zum Anhören oder Ansehen produziert. So sind Hunderte Gottesdienste in den letzten Monaten auf YouTube eingestellt worden. Der Lokalsender Oldenburg Eins hat die Kirchengemeinden ebenfalls unterstützt und sendet regelmäßig Fernsehgottesdienste aus dem Oldenburger Land. Die Fülle an Kreativität, Menschen mit Worten der Kirche und der Botschaft Gottes zu erreichen, sei hervorragend gewesen, so Grünefeld.

Open-Air-Andacht

„Die Altersklasse der Frauen und Männer, die in Alten- und Pflegeeinrichtungen wohnen, gehört eher nicht zu der Gruppe von Leuten, die in sozialen Netzwerken unterwegs ist“, erklärt Pastor Stefan Grünefeld. Die Kirchengemeinden müssten in Zeiten der Corona-Pandemie neue Wege finden und notgedrungen auf Abstand gehen, wo sie doch eher auf die Menschen zugehen wollen. „Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen“, betonte der Seelsorger und entwickelte eine neue Idee. Bereits Ende März hielt er vor dem Hooksieler Seniorenwohnheim Azurit eine Andacht. Inmitten der Häuseranlage wurde ein Altar aufgebaut. Die Bewohner nahmen von ihren Fenstern aus am Gottesdienst teil, der musikalisch am Keyboard begleitet wurde, und sangen bekannte Lieder. „Das hat draußen wunderbar geklappt, alles waren entspannt“, so Pastor Grünefeld. Weitere Open-Air-Gottesdienste vor dem Seniorenheim folgten am Ostermontag und Pfingstmontag. Ein weiterer Gottesdienst wird im Juli folgen. Das sei sein Weg, betont Pastor Grünefeld, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben – „und das ohne Risiko für die Bewohner. Man sieht sich, kann miteinander sprechen.“

Eine besondere Form des Gottesdienstes – von Mensch zu Mensch.

Historische Orgel beim Altenzentrum

Inzwischen haben sich weitere Formen an Gottesdiensten und Konzerten unter freiem Himmel etabliert, um Kontakt, besonders auch mit älteren Mitbürgern, die in Heimen leben, zu pflegen.

In Westerstede (Landkreis Ammerland), gab es beide Formen. Bei Evangelischen Altenzentrum fand kürzlich ein kleines Konzert mit einer historischen Jahrmarktsorgel statt. Viele Bewohner seien auf dem Vorplatz gewesen, andere hätten bei geöffnetem Fenster gelauscht. „Es wurde mitgeschunkelt und mitgeklatscht“, erzählt Pastor Holger de Buhr und ergänzt: „Die Menschen sind durch das besondere Konzert auf andere Gedanken gekommen, es war eine positive Ablenkung.“

Auto-Gottesdienste auf dem Albert-Post-Parkplatz

Auch mit dieser Form wurden viele Menschen erreicht, darunter zahlreiche ältere Mitbürger. Vielfach wurden Senioren von ihren erwachsenen Kindern zum Auto-Gottesdienst mitgenommen. Die Auftakt-Andacht Mitte Mai fand ein positives Echo. Am Pfingstmontag folgte der zweite Gottesdienst dieser Art. Pastor de Buhr begrüßte die Menschen über Lautsprecher von der mobilen Bühne „zu einem ungewöhnlichen Gottesdienst in ungewöhnlicher Zeit in unserer selbstgebauten Kirche auf diesem Platz.“

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