Oldenburg /Vechta Weih­bischof Wilfried Theising hat der Führung des Pius-Hospitals Konsequenzen angedroht für den Fall weiterer Schritte zur angestrebten Fusion mit dem Evangelischen Krankenhaus (EV). Die Stiftungsaufsicht werde „im Bedarfsfall Aufsichtsmaßnahmen“ ergreifen, heißt es in einem Schreiben des Bischöflich Münsterschen Offizialats an Geschäftsführung und Verwaltungsrat des Krankenhauses. Dadurch solle notfalls „die Einheit von Stiftungszweck und Stifterwille“ wiederhergestellt werden.

Neues Gutachten

Das Offizialat beruft sich auf ein Gutachten des Braunschweiger Rechtswissenschaftlers Wilhelm-Albrecht Achilles. Danach sei davon auszugehen, dass das bislang verfolgte Fusionsmodell „vom Stifterwillen und Stiftungszweck nicht mehr gedeckt“ sei, heißt es in dem Schreiben. Management und Aufsichtsgremium hätten die Ergebnisse des Gutachtens zu „beachten“. Der bislang verfolgte Fusionsfahrplan setzt nach Einschätzung des Offizialats nicht mehr „die richtigen Leitplanken“ für die Verhandlungen mit dem EV.

Rauswurf im März

Der Streit mit dem Weihbischof war im Februar an einer von Pius und EV unterzeichneten Absichtserklärung zur vollständigen Verschmelzung eskaliert. Anfang März hatte Weihbischof Theising den Pius-Verwaltungsrat fristlos entlassen. Aufgrund massiver Proteste musste das Offizialat den Rauswurf wieder zurücknehmen. Ende März hatten sich beide Seiten auf Gespräche mit dem EV über ein „Zusammengehen auf Augenhöhe“ verständigt. Das Pius versteht darunter die geplante Verschmelzung zu einem christlichen Innenstadtkrankenhaus, das Offizialat lediglich eine weitreichende Zusammenarbeit von zwei rechtlich selbstständigen Häusern.

Das sagt das Evangelische Krankenhaus

Das Evangelische Krankenhaus reagiert zurückhaltend auf den Vorschlag des Offizialats, ein neues Eckpunktepapier zur Zusammenarbeit mit dem Pius auszuhandeln. „Für uns stellt sich diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht“, heißt es in einer Erklärung von Vorstand und Aufsichtsrat des Krankenhauses.

Auf die Hausmitteilung des Pius-Hospitals vom 18. Juli und die darin formulierte Absage eines möglichen Zusammengehens mit dem EV „haben wir mit Bedauern reagiert“, schreiben Vorstand Dr. Alexander Poppinga und Aufsichtsratvorsitzender Helmut Hartig. „Für uns ist und bleibt der Zusammenschluss beider Häuser zu einem fusionierten, christlichen Krankenhaus auf Augenhöhe nach wie vor ein anzustrebendes Ziel.“ Nur so könnten die weitreichenden Entwicklungsmöglichkeiten nachhaltig genutzt werden.

Die bisherigen Gespräche seien in ein von beiden Seiten getragenen „Letter of Intent“ (LoI) im Juli 2021 eingeflossen. „Auf eine Reaktion darauf warten wir seitdem. Deshalb wäre aus unserer Sicht ein Austausch über den ersten, von den Führungsgremien beider Häuser erarbeiteten und getragenen LoI der nächste sinnvolle Schritt.“

Diese Gespräche sollten nach Überzeugung des EV „allerdings erst dann stattfinden, wenn es auf beiden Seiten jeweils zwischen den verantwortlichen Gremien bzw. Institutionen eine Einigkeit über die Ziele und die weitere Vorgehensweise gibt.“

Pius und EV arbeiten seit Jahren eng zusammen und wollen durch eine Fusion ihre starke Position im Krankenhausmarkt absichern. Der Weihbischof will dagegen an dem „katholischen Leuchtturm“ festhalten. Während das Pius vor steigenden Anforderungen durch das neue Krankenhausgesetz warnt, sieht das Offizialat das Krankenhaus wirtschaftlich hervorragend aufgestellt. Da die katholische Stiftung Pius-Hospital der Stiftungsaufsicht unterliegt, ist eine Fusion nur mit deren Zustimmung möglich. Ein Gutachten im Auftrag des Pius-Hospitals war zum Ergebnis gekommen, dass eine Fusion im Einklang mit der Stiftungssatzung stünde.

Lesen Sie auch:
So sieht das Offizialat die Zukunft des Pius
Streit um Krankenhausfusion in Oldenburg
So sieht das Offizialat die Zukunft des Pius
Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.