Oldenburg In der Spendenaffäre wächst der Druck auf EWE-Vorstandschef Matthias Brückmann. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den 54-Jährigen wegen des Verdachts der Untreue. Das Präsidium des EWE-Aufsichtsrates berät am Dienstag über eine mögliche Ablösung von Brückmann. Nach NWZ-Informationen sind alle Vorwürfe gegen ihn der EWE-Spitze seit November bekannt.

Dem EWE-Vorstandschef wird laut Staatsanwaltschaft vorgeworfen, „mutmaßlich eigenständig und ohne Berechtigung“ eine Spende in Höhe von 253 000 Euro aus dem Unternehmensvermögen an die Klitschko-Stiftung gezahlt zu haben. Aktiv geworden ist die Behörde aufgrund der Berichterstattung unter anderem in der NWZ.

Vorstands-Bezüge

Der EWE-Vorstand hat laut Geschäftsbericht 2015 insgesamt 3,8 Millionen Euro an Bezügen bekommen. Einzelvergütungen werden nicht veröffentlicht. Der Vorstandsvorsitzende des fünfköpfigen Gremiums dürfte bei einem Jahreseinkommen zwischen 1 bis 1,5 Millionen Euro brutto liegen.

Brückmann hatte die Spende im März 2016 der Stiftung zugesagt – in der Hoffnung, im Gegenzug Ex-Box-Weltmeister Wladimir Klitschko für PR-Termine nach Oldenburg holen zu können. Im Oktober wurde das Geld überwiesen. Klitschko kam bis heute nicht nach Oldenburg. Weil die Spende laut Brückmann „in der Öffentlichkeit für Irritationen“ sorgt, hatte der EWE-Chef am Donnerstag angekündigt, die 253 000 Euro aus eigener Tasche zu zahlen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Das sagt die Politik zur EWE-Spendenaffäre

Brückmanns Zahlungsbereitschaft führte am Freitag zu lebhaften Diskussionen in den Sozialen Netzwerken und an den Standorten der EWE. Im Intranet des Unternehmens gab es bis zum Nachmittag fast 200 Kommentare. Viele Mitarbeiter forderten – zumeist anonym – Brückmanns Rauswurf. Es gab aber auch Respektsbekundungen.

Der restliche EWE-Vorstand hat sich mit anderen Führungskräften des Konzerns am Freitag hinter Brückmann gestellt. In einem Brief an den Aufsichtsrat sprechen die Unterzeichner nach NWZ-Informationen dem Vorstandschef „allseitig das voll­ste Vertrauen“ aus.

Unterdessen hat Brückmann wegen der aktuellen Diskussion eine Japan-Reise abgesagt, die er am Dienstag antreten wollte. Wie ein EWE-Sprecher auf Nachfrage mitteilte, sollen andere EWE-Mitarbeiter das Reiseprogramm, bei dem es unter anderem um den geplanten Batteriespeicher in Varel geht, „wie geplant“ absolvieren.->

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.