LEER /STRüCKLINGEN Ob Mobbing in der Schule, fiese Anmache, Überfall oder gar Vergewaltigung: Auch im Landkreis Leer in Ostfriesland werden Mädchen und Jungen Opfer von Gewalt. Um dem entgegenzuwirken, gibt es seit zehn Jahren an den allgemeinbildenden Schulen das Pflichtfach „Selbstbehauptung und Selbstverteidigung“. Das Präventionsprojekt ist immer noch einmalig in Deutschland.

Zwei gelernte Sport- und Gymnastiklehrerinnen, Dorothee Meyer und Elke Bauer, gehen im Auftrag der Kreisverwaltung als Selbstbehauptungstrainerinnen in den Unterricht. „Sie stärken die Schülerinnen und Schüler in ihrem Selbstbewusstsein und befähigen sie, sich in kritischen Situationen wirksam zur Wehr zu setzen“, sagt Projektleiterin Birgit Ehring von der Stabstelle Frauenförderung des Landkreises Leer.

Das Projekt wendet sich an Kinder ab zehn Jahren. Die Idee stammt von Dorothee Meyer. Bereits zu Beginn der 1990er Jahre unterrichtete sie Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen ehrenamtlich, jedoch nur an zwei allgemeinbildenden Schulen und an der Volkshochschule. „Das war aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich wollte, dass alle Kinder im Kreisgebiet von dem Training profitieren“, sagt die 52-Jährige. Also wandte sie sich an die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Monika Fricke.

Unter deren Federführung wurde das Modellprojekt initiiert. „Die schrecklichen Morde an Ulrike Everts und Christina Nytsch durch den Serienmörder Ronny Rieken aus dem nahe gelegenen Strücklingen waren der Auslöser, das Präventionsprojekt endlich zu starten“, sagt Ehring.

Seit dem Schuljahr 1998/99 stehen Selbstbehauptung und Selbstverteidigung als Pflichtfach mit Benotung auf den Stundenplänen der allgemeinbildenden Schulen im Kreis. Etwa 15 000 Mädchen und Jungen haben seither davon profitiert. So wie die Schüler der Klasse 5c der Kreisrealschule Overledingerland in Rhauderfehn. Der jeweils 20-stündige Unterricht wird getrennt erteilt: im ersten Halbjahr die Mädchen, im zweiten die Jungen.

„Das ist wichtig, weil sich die Kinder dann sicherer fühlen und besser aus sich herauskommen“, sagt Meyer.

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