DELMENHORST Die Spenden aus Delmenhorst werden dringend benötigt. Andere Organisationen haben sich zurückgezogen.

Von Wolfgang Loest DELMENHORST - Auf das Weihnachtsfest an seiner Schule ist der Leiter des Willms-Gymnasiums, Burkhard Leimbach, ganz besonders stolz. Und das nicht ohne Grund: Die Veranstaltung hat sich seit Anfang der neunziger Jahre von einem kleinen Basar zu einem großen Treffen entwickelt, an dessen Vorbereitung und Durchführung Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen mitwirken. Und auch der Zweck des Festes ist nicht alltäglich. Die Einnahmen sind für eine afrikanische Partnerschule in Zimbabwe bestimmt.

Der Kontakt zu Porta Farm, einem Armenviertel in der Nähe der Hauptstadt Harare, war durch Willms-Lehrerin Kristine Ruhfus zustande gekommen, die 1990 mit nach Zimbabwe gegangen war, als ihr Mann dort eine halbe Stelle als Pfarrer bekam. Seit zwölf Jahren wird die Schule in dem Obdachlosenlager von Delmenhorst aus unterstützt. Die Spenden wurden für die Schulspeisung der ärmsten Kinder genutzt, für den Kauf von Schulbüchern und Stiften, für Saatgut für den Schulgarten und für den Bau eines stabilen Metallzauns um das Schulgelände, der die vielen Diebstähle minimieren sollte.

Vor diesem Zaun machten die Bulldozer Halt, die von der Regierung unter Robert Mugabe im Sommer auf den Weg geschickt worden waren, die Behelfshütten in den Armenviertel abzureißen.

„Die politische Situation ist eine Katastrophe und an der Grenze zum Völkermord“, sagt Kristine Ruhfus, die Zimbabwe zwar längst wieder verlassen hat, aber weiter über enge Kontakte dorthin verfügt. Dass die Schulgebäude nicht ebenfalls platt gemacht worden sind, sei ein kleines Wunder – vermutlich darauf zurückzuführen, dass Mugabe Projekte mit ausländischer Beteiligung nicht anrührt, um nicht unnötig auf die Situation in seinem Land aufmerksam zu machen, sagte Ruhfus am Sonnabend am Rande des Schulfestes.

Die verbliebenen Schüler, die der Vertreibung entgangen sind, seien jetzt mehr denn je auf Hilfe aus Delmenhorst angewiesen. Denn die nicht-staatlichen Organisationen, die der Schule immer wieder geholfen hatten, haben sich nach der „Säuberungsaktion“ zurückgezogen – bis auf das Willms-Gymnasium, das mit den Einnahmen des Weihnachtsfestes die Schulspeisung wieder aufnehmen und die alten Gebäude abtragen will, um sie an einem neuen, von der Regierung zugewiesenen Standort wieder aufbauen will.

Das Fest lockte am Sonnabend die Besucher in Scharen an. Sie konnten sich stundenlang auf dem Gelände amüsieren. In der Aula fand ein Kulturprogramm statt.

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