SPIEKEROOG /HAMBURG Mathe lernen vor Martinique, Biologie-Unterricht vor Kuba oder spanische Vokabeln pauken auf Costa Rica. Für 43 Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 18 Jahren sah so fast sieben Monate lang der Stundenplan aus. Mit dem Projekt „High Seas High School“ waren die Jugendlichen exakt 198 Tage in der Karibik unterwegs – auf den beiden Segelschiffen „Johann Smidt“ und „Astrid“ und zusammen mit acht Lehrerinnen und Lehrern sowie der Stammbesatzung. Am Sonnabend ist das „segelnde Klassenzimmer“ wieder im Hamburger Hafen eingelaufen. Über 14 000 Seemeilen hatten die beiden Schiffe bis dahin hinter sich gelassen, waren über Martinique, Costa Rica, Kuba, die Bahamas und die Azoren zurück zum Heimathafen in die Hansestadt gelangt.

Seit 1993 gibt es das Projekt der Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog. Das Internatsgymnasium bietet jedes Jahr Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, einen Teil des Schuljahres auf dem Segelschiff zu verbringen. In diesem Jahr waren zum ersten Mal neben Gymnasiasten des elften Jahrgangs auch Zehntklässler mit an Bord.

Praxisbezogener Unterricht „Der Unterricht ist sehr stark auf die Praxis bezogen“, betont der Leiter der Hermann-Lietz-Schule, Hartwig Henke. So wurde Ernest Hemingways Roman „Der alte Mann und das Meer“ direkt am Ort des Geschehens auf Kuba behandelt. Einen Spanisch-Intensivsprachkurs gab es auf der Insel Costa Rica, wo die Gruppe vier Wochen „Landgang“ hatte. Während dieser Zeit wohnten die Jugendlichen in Gastfamilien und arbeiteten unter anderem eine Woche lang auf einer Zuckerrohrplantage. Ganz nebenbei lernten sie so, sich in einer bislang völlig fremden Kultur zurecht zu finden. Zurück auf den Segelschiffen hieß es dann neben Schulunterricht auch das Deck schrubben, Segel setzen, Koordinaten in die Seekarte einzeichnen und Wache an Deck halten.

Das Streben nach Freiheit

Für Henke ist es genau dieser Mix, der den Reiz an dem Segeltörn ausmacht. Der Schulleiter ist überzeugt, dass die Reise auf den Weltmeeren die Jugendlichen ein Leben lang prägen wird. Und hat in der Vergangenheit immer wieder die gleiche Erfahrung gemacht: „Die meisten Schülerinnen und Schüler stürzen sich anschließend auf das Abitur – um danach endlich frei zu sein.“

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