HANNOVER Im Streit um das „Turbo-Abi“ an Gesamtschulen haben die Regierungsfraktionen von CDU und FDP leichte Zugeständnisse gemacht. Die Gesamtschulen können künftig auf Antrag erst von Klasse 9 an mit differenziertem Unterricht für ihren Gymnasialzweig beginnen. Die Pflicht, das Abitur nach zwölf Jahren anzubieten, bleibt aber bestehen. Bislang war auf dem Weg zum verkürzten Abitur eine Differenzierung bereits nach der 6. Klasse vorgesehen.

„Das ist keine Abkehr vom Abi nach zwölf Jahren, sondern ein Signal an die Schulen, dass wir ihre Arbeit wertschätzen“, sagte CDU-Schulexperte Karl-Heinz Klare zum Abschluss der Beratungen zum umstrittenen Schulgesetz im Kultusausschuss. Durch die Änderung besteht die Möglichkeit, dass sich kein Schüler frühzeitig für den anspruchsvolleren Weg zum Abitur nach zwölf Jahren entscheidet. „Das kann passieren, aber es wird nicht passieren“, sagte Klare.

Schulen, die sich für eine spätere Differenzierung entscheiden oder keine Schüler im Gymnasialzweig haben, bekommen laut FDP-Schulexperte Björn Försterling weniger Lehrer zugewiesen. Auf dem Weg zum Abitur nach zwölf Jahren müssen Schüler des Gymnasialzweiges künftig 13 Wochenstunden in den Schuljahren 5 bis 10 mehr nachweisen als ihre Mitschüler der schwächeren Zweige. „Dann müsste natürlich in Klasse 9 und 10 Unterricht nachgeholt werden“, sagte Försterling mit Blick auf die Schüler, die erst nach der 8. Klasse auf das Abitur vorbereitet werden sollen.

Das veränderte Konzept, den Gesamtschulen bei der Umsetzung des „Turbo-Abis“ mehr Freiräume zu lassen, ist nach Angaben aus Koalitionskreisen von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ins Spiel gebracht worden. Wulff wolle offensichtlich wegen der anhaltenden und massiven Proteste der Verbände auf die Schulen zugehen. „Es ist davon auszugehen, dass wir die Schulen noch attraktiver machen“, sagte Klare.

Die Opposition erneuerte dagegen ihre Kritik. „Das ist reines Nebel werfen“, sagte SPD-Schulexpertin Frauke Heiligenstadt. Die Grünen-Schulexpertin Ina Korter (Nordenham), warf CDU und FDP vor, keine einzige Forderung von Verbänden und Opposition aufgenommen zu haben: „Die Devise der Mehrheitsfraktionen war 'Ohren zu und durch'.“ CDU und FDP wollen das Gesetz im zwei Wochen im Landtag beschließen, obwohl die Änderungen erst im Sommer 2010 umgesetzt werden sollen.

Sie wiesen den Vorwurf einer übereilten Umsetzung zurück. Klare sagte, man habe das Gesetz „ordnungsgemäß“ umgesetzt. Er warf der Opposition „Stimmungsmache“ vor. Dennoch wird wegen der anhaltenden Kritik in Kürze mit einer Absetzung des Staatssekretärs im Kultusministerium, Peter Uhlig, gerechnet. Möglicher Nachfolger: CDU-Fraktions-Geschäftsführer Bernd Althusmann.

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