OLDENBURG Gut 35 Jahre alt ist die Universität Oldenburg. Zum ersten Mal wird sie – voraussichtlich ab Januar oder Februar 2010 – von einer Frau geleitet werden. In einer von großen Emotionen begleiteten Sondersitzung wählte der Universitätssenat am Mittwoch die Medizinprofessorin und derzeitige Vizepräsidentin der Universität Marburg, Dr. Babette Simon, zur Präsidentin. Die 49-Jährige setzte sich gegen ihren Mitbewerber Prof. Dr. Wolfgang Osten (Stuttgart) durch.

Die Wahl wurde von einem Eklat unterbrochen. Vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang verließen sechs Senatsmitglieder – fünf Professoren und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter – den Saal und kehrten nicht zurück. Sie hatten sich zuvor gegen beide Kandidaten ausgesprochen – offenbar um die Wahl platzen zu lassen.

Der erste Wahlgang hatte keine Entscheidung gebracht. Fünf Stimmen für Simon, fünf Enthaltungen und drei Stimmen für Osten, der insbesondere von den Mitarbeitern aus Technik und Verwaltung favorisiert wurde.

Kurioses Bündnis

Der zweite Wahlgang brachte dann sieben Stimmen für Simon – die noch verbliebenen Senatsmitglieder hatten sich „im Interesse der Universität“ auf Babette Simon verständigt. Kurios: Ausgerechnet die linke Hochschulgruppierung im Senat sprach sich für das CDU-Mitglied Simon aus.

Uni-Vizepräsidentin Dr. Heide Ahrens, die die Aufgaben des Präsidenten seit über einem Jahr kommissarisch wahrnimmt, gratulierte Babette Simon unmittelbar nach der Wahl. Sie sei froh, dass die Universität nun wieder eine gewählte Spitze habe, sagte Ahrens. „Heute war der große Tag, auf den wir nach einer langen Phase des Übergangs gewartet haben“, sagte Ahrens. Die Vizepräsidentin rechnet damit, dass Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) die neue Präsidentin im Januar oder Februar ernennen wird, nachdem auch der Hochschulrat die Senatsentscheidung begrüßt hat.

Im Wissenschaftsrat

Babette Simon wurde 1960 in Düsseldorf geboren und studierte nach Angaben der Uni Oldenburg Humanmedizin in Freiburg und Basel. Sie promovierte an der Universität Freiburg. Nach Forschungsaufenthalten in den USA kehrte sie 1990 nach Deutschland zurück und wechselte an die Universität Marburg, wo sie sich auch habilitierte. Seit 2006 ist die dreifache Mutter dort Vizepräsidentin. Anfang 2009 wurde Simon vom Bundespräsidenten in die Wissenschaftliche Kommission des Wissenschaftsrates berufen und ist auch Mitglied des Medizinausschusses. Babette Simon arbeitet zudem in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien mit.

Interview, s.12

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