Oldenburg „Jana hatte uns ganz sprachlos gemacht: Wir konnten nicht verstehen, warum sie nicht so sprach wie wir.“ „Die Hänseleien waren das Schlimmste: Als ich noch gestottert habe, musste ich mich beim Sprechen furchtbar anstrengen, immer in Angst, ausgelacht zu werden.“ „Vaters Schlaganfall hat uns alle getroffen: Besonders, dass er das Sprechen wieder ganz neu Lernen musste.“ Diese und andere Situationen sind es, in denen Logopäden Menschen mit den unterschiedlichsten Sprachfehlern oder Sprachstörungen helfen können.

Annika Ahrends (23) aus dem ostfriesischen Dunum, Inga Katz (23) aus Rastede und Jessica Heisig (24) aus Oldenburg: Die drei jungen Frauen haben sich für eine dreijährige Ausbildung an der Berufsfachschule für Logopädie der Oldenburger Arbeiterwohlfahrt (AWO) entschieden. Menschen helfen, im Alltag besser zurechtzukommen, Schlaganfallpatienten helfen, sich wieder mitteilen zu können und ein Stück Selbstständigkeit zurückzuerlangen, Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern behandeln, das Stottern lindern: Die Beweggründe, diesen vielseitigen Beruf zu ergreifen, sind bei den drei Absolventinnen recht ähnlich. „Es gibt ganz verschiedene Störungsbilder und Behandlungsmöglichkeiten. Und die Bandbreite der Patienten reicht von Kindern bis zu Senioren. Wir haben unsere Entscheidung für diese Ausbildung nicht bereut“, sagen die drei jungen Frauen übereinstimmend.

Sie sind drei von 18 Logopädinnen und einem Logopäden, die nach ihrer jetzt erfolgreich bestandenen staatlicher Abschlussprüfung an der Berufsfachschule für Logopädie des AWO Bezirksverbandes Weser-Ems in Oldenburg in eine erfolgversprechende Berufslaufbahn starten. Dr. Harald Groth, Vorsitzender der AWO Weser-Ems, und die Schulleiterin Rita Schoon verabschiedeten die Absolventinnen und den Absolventen jetzt nach dreijähriger Ausbildung.

Groth für Studiengang

Eine Ausbildung, die ins Geld geht: Monatlich sind nämlich 600 Euro Schulgeld fällig. AWO-Chef Groth nutzte die Feierstunde und forderte die Abschaffung der eigenen Schule zugunsten eines eigenständigen Studienganges zu Hochschulbedingungen. Er bedauerte zudem, dass an der Fachhochschule Oldenburg noch nicht die Möglichkeit des aufbauenden Studienganges Logopädie vorhanden ist. Die AWO sehe die logopädische Ausbildung allerdings grundsätzlich eher in einem grundständigen Studiengang angesiedelt als an einer privat zu finanzierenden Berufsfachschule mit anschließenden Aufbaustudienangeboten.

Der Bedarf an gut ausgebildeten Logopädinnen bietet laut Groth eine sichere berufliche Perspektive. Stellenanzeigen aus der ganzen Bundesrepublik hätten schon Wochen vor den Prüfungen im Schulgebäude an der Klingenbergstraße 73 a ausgehangen. „Fast alle Absolventinnen haben schon seit Monaten einen Arbeitsvertrag, eine Absolventin wird an der Fachhochschule Osnabrück den Aufbaustudiengang Logopädie besuchen“, freut sich Schulleiterin Rita Schoon für die nun ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die aus dem Oldenburger Land, Ostfriesland, Emsland, Wilhelmshaven und Zeven kommen.

Einstieg über Sozialjahr

Einige der Absolventen hatten den Weg in die Logopädieausbildung durch erste Erfahrungen mit der Sprachheilarbeit im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in Sprachheileinrichtungen der AWO in Aurich, Delmenhorst und Oldenburg gefunden. So auch Annika Ahrends, Inga Katz und Jessica Heisig. Über ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) haben sie erste Erfahrungen gesammelt und sich für einen Beruf entschieden, für den laut Groth ein ständig steigender Bedarf zu verzeichnen ist: „Logopäden sind nicht nur für die Behandlung in den klassischen Störungsbildern wie Sprachentwicklungsstörungen, Stottern, Stimmstörungen und Sprachstörungen bei neurologischen Erkrankungen zuständig. Sie erweitern ihr Berufsfeld ständig. So werden zunehmend Patienten mit Hörprothese logopädisch behandelt, und auch im Bereich der Geriatrie ergeben sich in Zukunft weitere Aufgaben“, betonte Groth.

Dass Groth mit dieser Einschätzung nicht ganz falsch liegt, zeigt die Frage nach den Perspektiven im Anschluss an die Ausbildung. Annika Ahrends hat ihren Vertrag in einer logopädischen Praxis in Esens schon in der Tasche, Inga Katz hat einen in Aussicht, und Jessica Heisig war noch in der Bewerbungsphase. Aber auch sie zeigte sich guter Dinge, was die Arbeitssuche angeht: „Das wird schon.“


Mehr Infos:   www.awo-ol.de 

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Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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