OLDENBURG Verstehen Eltern bald ihre eigenen Kinder nicht mehr? Existiert das neue Phänomen der Jugendsprache wirklich?

von annika richter OLDENBURG - Immer öfter werden Stimmen laut, dass die Jugendlichen von heute eine eigene codierte Sprache sprechen. Angeblich könne man einige von ihnen kaum mehr verstehen, da sie scheinbar nur noch Unzusammenhängendes „labern“ und Worte und Redewendungen nutzen, die es gar nicht gibt. „Pons“ hat 2004 sogar ein Wörterbuch für Jugendsprache heraus gegeben. Dort finden sich Begriffe wie „Münzmallorca“ für Solarium, „Intelligenzallergiker“ statt dummer Mensch, „Herrenhandtäschen“ für Bier. Hat Ihnen schon einmal ein Jugendlicher derartig „einen Bus ins Ohr gebastelt“ beziehungsweise auf Sie eingeredet?

Dieter Kamradt, Deutschlehrer an der Realschule Ofenerdiek, ist eine codierte Jugendsprache nicht bekannt. „Ich habe in meinem Unterricht schon öfter Artikel präsentiert, in denen eine solche Jugendsprache angeprangert wurde. Meine Schüler antworteten jedoch ‘So sprechen wir nicht.‘“ berichtet er.

Dietrich Hahn, Deutschlehrer an der Realschule Osternburg, ist ähnlicher Meinung: „Eine Tendenz dahin, dass Erwachsene die Jugendlichen nicht mehr verstehen ist sicherlich vorhanden. Allerdings kommt die ausgeprägte Art der Jugendsprache eher in bestimmten Szenen vor.“

Auch eine Umfrage der NWZ in der Klasse 8b, in der Dietrich Hahn unterrichtet, ergab ein ähnliches Bild. Zwar berichteten die Schüler einstimmig, dass sie im Umgang mit ihresgleichen anders miteinander sprechen, als mit Erwachsenen. Jedoch sprechen sie laut eigenen Angaben mit Älteren uncodiert. Auch untereinander kommen zwar Worte wie „Teppichporsche“ für einen kleinen Hund sowie Redewendungen wie „Mach ma‘ leger“ statt „Bleib mal locker“. Jedoch ziehen die Schüler schriftliche Abkürzungen wie „sry“ für sorry und Anglizismen solchen Codierungen vor.

Auch räumen sie ein, dass sie des öfteren zum vulgären Sprachgebrauch greifen – aber nur unter Freunden und Bekannten. Da wird die Freundin schon mal „Schlampe“ genannt. „Unter Freunden kennt man sich und weiß, dass sie nicht sauer werden, wenn man sie beleidigt,“ berichtet Diar Darwish aus der 8b. „Gegenüber Erwachsenen haben wir mehr Respekt und versuchen uns höflich und nett auszudrücken.“

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