Dieser – auch als schwarzer Maiwurm bekannte – Käfer hat es in sich: Das auffällige Insekt enthält ein hochgradig wirksames Gift, das Körpergift Cantharidin, das – je nach Dosis – heilen, aber auch töten kann.

Gratwanderung: heilende oder tödliche Dosis

„Das Reizgift Cantharidin im Körper der Ölkäfer wurde gegen eine Fülle von Krankheiten verwendet“, erklärt Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg. „Bereits 1550 vor Christus wird im altägyptischen Papyrus Ebers das wahrscheinlich älteste Ölkäferpflaster beschrieben, welches Wehen erzeugend wirken sollte“. In Honig zubereitet gehörten Ölkäfer zu den bekanntesten „Liebestränken“ zur Steigerung der sexuellen Potenz, doch oft mit fatalen gesundheitlichen Folgen: „Bereits ein einziger Käfer enthält eine tödliche Dosis Cantharidin für einen Erwachsenen“, sagt Schmitt, Vorsitzender des Kuratoriums für die Auswahl zum Insekt des Jahres 2020. Diese hohe Toxizität sei im antiken Griechenland für Hinrichtungen missbraucht worden und Morde mit dem Käfergift seien bis in die Neuzeit bekannt.

Mehr als 30 Arten aus der Familie der Ölkäfer leben heute in Mitteleuropa. Am häufigsten ist dabei der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus). Die Art lebt an sandigen und offenen Stellen mit zahlreichen Bienennestern. Sie kommt an extensiv landwirtschaftlich genutzten Standorten Heiden, Trockenrasen und Streuobstwiesen vor.

Trotz großer Population auf der Roten Liste

Trotz seiner enormen Vermehrungskraft – ein einzelnes Weibchen kann fünf- bis sechsmal im Abstand von ein bis zwei Wochen je 3000 bis 9500 Eier legen – wird der Schwarzblaue Ölkäfer in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Die Ursache ist an erster Stelle der Lebensraumverlust, aber auch der Straßenverkehr. Die Entwicklung vom Ei zum ausgewachsenen Tier ist sehr störungsanfällig und schon kleine Veränderungen können zu großen Ausfällen führen.

Das Insekt des Jahres wird seit 1999 proklamiert. Die Idee dazu stammte von Prof. Dr. Holger Dathe, damaliger Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Ein Kuratorium aus Insektenkundler*innen sowie Vertreter*innen wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen – darunter der NABU-Bundesfachausschuss Entomologie , wählt jedes Jahr aus Vorschlägen ein Insekt aus.


     https://www.nabu.de/news/2019/11/27315.html 
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