Strücklingen Es sei ein schwerer Schlag gewesen, keine Frage. Nun sei man aber sehr froh, dass der Spuk vorbei sei und man sich wieder auf die eigentlichen Aufgaben konzentrieren könne. Kurz gesagt: „Wir haben einen Strich unter die Angelegenheit gezogen“, sagte Marina Proksch-Park, Geschäftsführerin von „Flugkraft“, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Strücklingen, die sich um krebskranke Menschen kümmert.

Verfahren eingestellt

Mit „Angelegenheit“ ist die anonyme Anzeige mit dem Vorwurf, man habe Spendengelder zweckentfremdet, gemeint. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte die Ermittlungen aber schnell wieder eingestellt, da keine Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Es ging um eine Spende in Höhe von 12.000 Euro für eine Delfintherapie eines schwer kranken Kindes. Das Kind konnte die Reise aber nicht antreten und so wurde ein anderes Kind in die USA geschickt. So sei es auch mit der Spenderin besprochen worden, sagte Proksch-Park im NWZ -Gespräch. Doch der anonyme Anzeigeerstatter war der Meinung, das Geld würde der Familie des ersten Kindes zustehen. Eine Fehleinschätzung, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte.

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„Wir haben uns nichts vorzuwerfen und arbeiten so transparent wie möglich“, sagte die 38-jährige Proksch-Park. Das sei bei einer gemeinnützigen Gesellschaft auch gar nicht anders möglich. Man dürfe keinen Profit machen und die Spendengelder müssten zeitnah verwendet werden. Das werde vom Finanzamt auch regelmäßig überprüft. Im vergangenen Jahr habe man rund 80.000 Euro an Spendengeldern empfangen dürfen. Eine ähnlich hohe Summe sei auch für dieses Jahr zu erwarten.

„Wir geben auch gerne jederzeit selbst Auskunft über die Verwendung von Spenden“, sagte Proksch-Park, die „Flugkraft“ gemeinsam mit ihrer Assistentin Manja Schulz-Timmer (42) jeweils in Teilzeit hauptamtlich betreut. Bezahlt werden sie aus Erlösen des „Flugkraft“-Info-Stores in Strücklingen, Hauptstraße 625, in dem Merchandise-Artikel und Produkte für krebskranke Menschen verkauft werden, und Spenden.

Über größere Spenden und deren Empfänger entscheidet übrigens nicht die Geschäftsführerin, sondern ein 14 Mitglieder starker Beirat, stellte Proksch-Park klar. Und so hofft die gemeinnützige Organisation auch weiterhin auf Spenden, ohne die es „Flugkraft“ nämlich nicht geben würde.

Kostenlose Projekte

Die Anfänge von „Flugkraft“ liegen im Jahr 2013. Marina Proksch-Park fotografierte das krebskranke Kind einer Freundin. Weitere Fotoaktinen mit Kindern betroffener Familien folgten. So entstand das Fotoprojekt gegen Krebs. Die Organisation wuchs rasend schnell. Und damit auch das Angebot. Die Fotos stehen zwar nach wie vor im Fokus, doch es gibt auch weitere Aktionen, die für die schwer kranken Menschen kostenlos sind.

Es gibt zum Beispiel Schmink-Workshops für krebskranke Frauen. Außerdem werden Herzenswünsche erfüllt und Familien Geschenke gemacht. Auch Beerdigungen werden bezahlt. Es gibt sogar ein Team, das Wohnungen von betroffenen Familien renoviert oder auch mal den Rasen mäht. Dafür sind in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen rund 100 Ehrenamtliche im Einsatz. Jeder, der sich an „Flugkraft“ wendet, egal ob Jung oder Alt, bekommt zudem ein Paket mit individuellen Überraschungen zugeschickt.

Aber das Wichtigste: Die kranken Menschen und ihre Familien werden von „Flugkraft“ und allen voran von Marina Proksch-Park begleitet und mental unterstützt. Derzeit besucht sie regelmäßig 53 Familien. Proksch-Park fasst ihre Arbeit so zusammen: „Wir wollen Mut machen und Betroffenen und ihren Familien Freude bereiten.“


     www.flugkraft.de 
Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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