DELMENHORST Entlastung. Das sei es, was sie durch das Patenschaftsmodell für Kinder psychisch kranker Eltern erfahre, sagt Stefanie R.* Seit zehn Jahren leidet die 44-Jährige an einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Hinzu kamen Depressionen und eine sich entwickelnde Psychose. In ihrer Ehe, die mittlerweile geschieden ist, hat sie etwa 20 Jahre lang Gewalt erlitten. Ihre zehnjährige Tochter Annika* musste vieles mit ansehen.

Die Chemie stimmte sofort

Der Kinderschutzbund gab der Alleinerziehenden den Tipp, mit Gabriele Bark-Lenz, Projektkoordinatorin des Patenschaftsmodells des Unternehmens Plan A, Kontakt aufzunehmen. So lernte sie die Delmenhorsterin Anja Pfeiffer kennen, die mittlerweile eine Patenschaft für ihre Tochter Annika übernommen hat. Die 42-jährige Anja Pfeiffer und ihr Mann haben selbst zwei Töchter im Alter von elf und 15 Jahren.

Die Chemie zwischen ihr und Annikas Patin habe sofort gestimmt, berichtet Stefanie R. „Ich weiß, dass Annika bei ihr gut aufgehoben ist. Ich vertraue ihr zu 100 Prozent. Und das will bei mir was heißen.“ Und auch Annika fühlt sich bei Familie Pfeiffer wohl. Regelmäßig verbringt sie dort ihre Zeit. Mal war sie mit Anja Pfeiffer im Kino, mal waren alle gemeinsam schwimmen. Auch Annikas Mutter wird in die Treffen miteinbezogen. „Das Kind steht im Mittelpunkt“, erläutert Gabriele Bark-Lenz. „Aber wir möchten natürlich auch, dass zwischen Patin und Mutter eine gute Beziehung entsteht.“

Das Patenschaftsmodell besteht seit August 2008. Die Paten bauen eine langfristige Beziehung zu den Kindern auf und stehen den psychisch erkrankten Eltern bei der Versorgung und Erziehung der Kinder zur Seite.

Einer Patenschaft geht eine lange Anlaufphase voran. Dazu gehören unter anderem viele Kennenlern-Gespräche und auch ein Vorbereitungskursus.

Einstieg ins Arbeitsleben

Zu ihrer Krankheit stehe sie, betont Sabine R. Jeden Tag lebe sie mit mehreren Persönlichkeiten. Die Gewalt, die sie erfahren hat, sei ursächlich für ihre Krankheit. „Das kann man sich nicht vorstellen, was ich erlebt habe.“ Insgesamt gehe es ihr mittlerweile aber viel besser. Medikamentös sei sie gut eingestellt. Langsam möchte die gelernte Hauswirtschafterin und Altenpflegerin auch wieder ins Arbeitsleben einsteigen. „Die sozialen Kontakte haben mir sehr gefehlt. Ich saß nur zu Hause“.

Auszeiten nehmen

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Sollte es ihr wieder schlechter gehen und sie erneut einige Zeit im Krankenhaus verbringen, kann sie Annika in die Obhut von Anja Pfeiffer geben. Besonders wichtig sei es ihr gewesen, ihrer Tochter zeigen zu können, dass es in einer Familie „auch anders laufen kann“. Durch die Patenschaft habe sie außerdem die Möglichkeit, zwischendurch Auszeiten zu nehmen und etwas für sich zu machen. „Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen als Paten an dem Projekt teilnehmen“, betont sie.

Da das Modell regional begrenzt ist, können nur Menschen teilnehmen, die in Delmenhorst leben. Patenbewerber sollten zudem Erfahrungen im Umgang mit Kindern haben. Nähere Infos zu den Voraussetzungen bei Gabriele Bark-Lenz unter Telefon  04221/2983893.

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