Sanary Sur Mer Frankreichliebhaber kommen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, wenn sie von der Provence erzählen. Dem Landstrich in Südfrankreich, wie es keinen zweiten, sinnlicheren gibt. Intensiv lilafarbene Lavendelfelder mit betörendem Duft, Nougat aus Montélimar, eine deftige Bouillabaisse aus Marseille – das Paradies auf Erden. Wenn man dort ist, will man nie wieder weg.

Zwischen Marseille und Toulon liegt das ehemals kleine Fischerdorf Sanary-sur-Mer. Die Franzosen bezeichnen den rund 17 000 Einwohner zählenden Ort als einen der authentischsten Häfen des Mittelmeeres, was sicher auch daran liegt, dass im Hafen viele traditionelle Boote liegen, die zum Teil mehr als hundert Jahre alt sind. Früh morgens bieten die Fischer hier ihren ersten Fang an. Es ist die beste Zeit für Langusten, Loup de Mer und Sardinen. Unzählige kleine Jollen schaukeln träge vor sich hin, irgendwo werden Netze geflickt. Der Himmel ist blau, die Sonnenstrahlen glitzern auf dem Wasser. Geht es idyllischer? Wohl kaum.

Côte d’Azur mal anders

Geografisch sind wir immer noch an der Côte d’Azur, auch wenn es unterschiedliche Meinungen dazu gibt. Cannes, Nizza, Saint-Tropez gelten als mondän und exklusiv, Hotspots der Reichen und Schönen. In Sanary ist davon nicht viel zu spüren. Das kleine Seebad hat sich den verschlafenen Charme früherer Zeiten erhalten.

Immer mittwochs findet auf dem Hafengelände der Wochenmarkt statt. Ein buntes Durcheinander von provencalischen Köstlichkeiten, Ledergürteln, T-Shirts, Souvenirs, Obst und Wein. „Hier findest Du einfach alles, was Du brauchst . . . und was Du nicht brauchst“, lacht der Händler, der Sanary-Handtücher verkauft.

Wie im Freilichtmuseum

Vom Hafen aus geht es in enge Gassen. Mit kleinen Geschäften und Boutiquen: französische Konfitüren neben einem Schuhmacher, Kunsthandwerk neben einem Take-Away-Bistro, Strandhüte und Flipflops neben der Apotheke. Sanary-Ville (Stadt) nennen es die Einheimischen. Am Ortsrand Wein-, Oliven-, Gemüse- und Blumenanbau. Dazwischen Pinien und Palmen mit versteckten Villen. Dieser Ort ist ein Freilichtmuseum.

Interessant ist ein Besuch der neogotischen Kirche Saint-Nazaire. Man muss reingehen, denn die Fresken im christlich-orthodoxen Stil sind sehenswert. Etwas außerhalb liegt die Kapelle Notre-Dame-de Pitié. Von hier aus kann man übers Meer bis nach Toulon schauen.

Zu Beginn der 30er Jahre war Sanary ein verschlafenes Nest, in dem die Einheimischen weitestgehend unter sich waren. Ein paar kleine Hotels, ein paar Villen. Das Leben war einfach und kostete wenig. Zwischen 1933 und 1942 schrieb das Dorf Geschichte.

In Deutschland wurden Bücher verbrannt, der Exodus der intellektuellen Elite war beschlossene Sache nach Hitlers Machtergreifung. Künstler wie Thomas, Klaus, Golo und Heinrich Mann, Bertold Brecht, Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig und viele andere flüchteten nach Frankreich und strandeten hier. Sanary wurde zur „heimlichen Hauptstadt der deutschen Literatur im Exil“.

Treffpunkte der Literaten

Heute erinnern im Ort 40 Infotafeln an die berühmten Flüchtlinge von damals. Ein Erinnerungsparcours führt unter anderem zu den Bars im Hafen, wo Bertolt Brecht abends Schmählieder auf Goebbels und Hitler sang und die Literaten zusammen ein Gläschen tranken. Heute heißen die Bars „La Marine“ und „Le Nautique“. Im Sommer sind sie – vor Corona – jeden Abend brechend voll gewesen mit Strandschönheiten, die an ihrem Aperol nippen.

Thomas Mann, Nobelpreisträger und einer der größten Romanciers des 20. Jahrhunderts war einer der Ersten in Sanary und fand für sich und seine Familie in der „Villa Tranquille“ eine Bleibe. „ Wie hübsch war es dort! […] Kleine Sommergartenfeste vereinigten die literarische Kolonie zu intimen Vorlesungen von Neugeschriebenem“, schrieb er später über seine Schaffenszeit im Exil.

Museum für Tauchpionier

Auch der Tauchpionier Jacques-Yves Cousteau fand in der NS-Zeit eine Zuflucht in Sanary. Zusammen mit Frédéric Dumas testete er Dumas Erfindung eines ersten modernen Unterwasser-Atemreglers. Im Dumas Museum sind mehr als 2000 Artefakte und Dokumente der Tauchgeschichte aufbewahrt.

Für Taucher ist die Gegend ohnehin eine Offenbarung. Zum Beispiel auf der Île des Embiez. Es ist die größte Insel des gleichnamigen Archipels, bestehend aus insgesamt fünf Inseln. Mit der Fähre kann man sich von Sanary hinschippern lassen. Zu Fuß kommt man am Ende des Hafens auf die kleine Insel „Île du Petit Gaou“. Zusammen mit ihrer großen Schwesterinsel werden die beiden einfach nur „Le Gaou“ genannt. Beide gehören zum Archipel Les Embiez. Ein Gehweg führt vorbei an der Statue der Vénus von Gaou, direkt in ein Naturschutzgebiet, in dem Ankern, Windsurfen und Motorboote verboten sind.

Perfekter Picknick-Platz

Über eine Fußgängerbrücke geht es unter windschnittigen Pinien hindurch auf einen botanischen Lehrpfad. Ein perfekter Platz für Picknick, Pétanque oder ein kühles Bad. Überall sind Bänke aufgestellt, mit Blick auf das türkisfarbene Wasser oder auf das „Cap Sicié“. Vor allem am Abend sind die Plätze begehrt, wenn die Hobbyfotografen kommen, um den Sonnenuntergang für die Ewigkeit festzuhalten.

Ein kostenloser Plan ist beim Fremdenverkehrsamt in Sanary sur Mer erhältlich. Ebenso eine kostenlose, 28-seitige Broschüre.


     www.provence-info.de 
     www.cotedazur.de/sanary-sur-mer.html 

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