Reims James-Bond-Kenner wissen: Der berühmteste Filmagent der Geschichte bevorzugt neben dem geschüttelten, aber nicht gerührten Wodka Martini auch noch etwas anderes. Wenn Bond an der Bar einen Dom Perignon von Moet & Chandon bestellt, muss dem Erfinder des prickelnden Nass im Grab wohl noch ein Lächeln übers Gesicht huschen.

Der Mönch Père Dom Perignon aus der französischen Champagne, genauer gesagt aus dem Kloster Hautvilles, hatte im 17. Jahrhundert Spaß an den Gärprozessen in den Flaschen der Kellerei und mixte gern verschiedene Weine zusammen. Eher zufällig kam dabei der erste Champagner heraus. Und weil die Kellereien der Gegend, die kurz danach entstanden, die Idee des Mönchs verfeinerten, dürfen sich seitdem nur diejenigen Schaumweine Champagner nennen, die auch aus der Champagne kommen. 2015 hat die Unesco alle Weinberge, Güter und Häuser der Champagne in die Liste des Welterbes aufgenommen.

Grande Dame

Dass das Nationalgetränk der Region heute ganz klar und ohne Hefeklümpchen aus der Flasche ins Glas fließt, ist einer Frau zu verdanken: Barbe-Nicole Ponsardin Clicquot, auch Veuve (Witwe) Cliquot genannt. Sie erfand die sogenannte „Méthode Classique“, nach der die Hefe extrahiert wurde und verdiente sich damit den Spitznamen „Grande Dame de Champagne“. Nach dem Tod ihres Mannes leitete die Witwe im 18. Jahrhundert als erste Frau ein Champagnerhaus.

Um die 15 000 Weinbauern und 5000 Champagnerhäuser zählt die Region heute. Die berühmtesten von ihnen sind in Reims und haben die Stadt damit zur heimlichen Champagnerhauptstadt gekürt. Dort entlang geht auch mit 600 Kilometern die „Route Touristique de Champagne“.

In der Kunst- und Kulturstadt Reims dreht sich im Grunde alles um das edle Getränk, dabei hat die Stadt mit ihren rund 180 000 Einwohnern weitaus mehr zu bieten. Reims beherbergt nämlich vier Unesco-Weltkulturerbe-Stätten und eine Vielzahl an Art-Déco-Gebäuden.

Unübersehbar ist die gotische Kathedrale Notre-Dame. Was man vielleicht gar nicht erwartet: Sie ist viel größer als ihre Pariser Schwester. Die Rue Libergier führt direkt zum Hauptportal. Dort schaut der bekannte lächelnde Engel auf die Besucher, so wie er es schon jahrhundertelang mit all den französischen Königen getan hat, die in der Kathedrale gekrönt wurden. 33 waren es insgesamt, weshalb Reims auch Krönungsstadt genannt wird.

Direkt neben der Kathedrale ein weiteres Unesco-Erbe, der Palais du Tau mit Schatzkammer und Museum. Vorbei an den gepflegten Eingängen der Prachtstraße Boulevard Foch läuft man der römischen Vergangenheit von Reims in die Arme. Der Porte Mars ist 15 Meter hoch und 30 Meter lang – der größte römische Triumphbogen seiner Zeit.

Der schönste Treffpunkt für alle Kitsch- und Kunstbegeisterten ist das bunte, plüschige Café du Palais. Dort kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus, so sehr wird das Auge mit Farben und Formen verwöhnt.

Von zwölf bis zwei ist es proppenvoll, weil die Angestellten aus den Nachbarbüros dort besonders gern ihr Mittagessen zu sich nehmen. Ein paar französische Spezialitäten und zum Nachtisch die Île Flottant, ein schwimmendes Eiweißinselchen auf Vanillesoße mit Karamell. Dazu ein Glas Champagner und ein winziges Bisquit rosé aus dem Hause Fossier, mit einem kleinen Tipp von der Dame am Nebentisch. „Sie müssen es in den Champagner tunken, das schmeckt viel besser“, sagt sie mit einem kleinen Augenzwinkern. Recht hat sie. Das Haus Fossier ist denn auch eine Institution in Reims. 1756 gegründet, ist man dort stolz darauf, die älteste Bisquiterie Frankreichs zu sein.

Beschwingt zur Tour

So beschwingt geht es weiter. Alle großen Champagnerhäuser bieten eine Tour in ihre Kellereien an, ein paar Einblicke in ihre Betriebsgeheimnisse und eine anschließende Probe verschiedener Tropfen. Gebucht wird online, danach wird man eingeladen.

Zum Beispiel zu Veuve Clicquot. Der Tourguide stellt sich als Aurore Rahault vor. Zwei Wochen wurde die Geschichtsstudentin für diese Aufgabe trainiert. Die 24-Jährige hat sich beworben und ist sofort genommen worden.

Jetzt öffnet sie die schwere Holztür zur Kellerei, und schon steht man an einer gelb beleuchteten Treppe, über die man in ein eher dunkles Tunnelsystem gelangt. Zehn Grad Kälte und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit lassen frösteln, sind aber Idealbedingungen für Champagner. Außerdem Dunkelheit und Ruhe.

Insgesamt 250 Kellerhöhlen, sogenannte Crayères, bilden bei Veuve Clicquot ein 24 Kilometer langes Tunnelsystem. Aurore Rahault warnt, dass man sich schnell im unterirdischen Labyrinth verlaufen kann, wenn man nicht bei der Gruppe bleibt. „Wenigstens verdurste ich dann nicht“, witzelt jemand. Etwa eine Stunde dauert so eine Führung durch die Gewölbe.

Aurore Rahault erklärt die Geschichte des Hauses und inwiefern der fruchtbare Boden der Champagne die Schaumweine so exquisit macht. Praktische Tipps hat sie auch auf Lager. „Champagner muss man bald trinken. Wenn Sie den kaufen, ist er fix und fertig, denn hier haben wir ja schon das Lagern erledigt. Also, je länger Sie den dann noch liegen lassen, desto schlechter wird er“, erklärt sie und ergänzt „bitte nicht im Kühlschrank lagern, denn da schrumpft der Korken und die Kohlensäure verschwindet“.

Bei der Verkostung fällt auf, dass sie den Champagner in normale Weingläser einschenkt, und wir erfahren, dass man nur so mit der Nase den Inhalt des Glases riechen kann. Sektflöten und ähnliches sind also ein Unding.

Beim Zuprosten gibt uns Aurore Rahault noch einen Satz vom legendären französischen Kaiser Napoleon Bonaparte I. (1769–1821) mit auf den Weg, der über sein Verhältnis zum Champagner immer sagte: „Nach einem Sieg verdienst Du ihn und nach einer Niederlage brauchst Du ihn.“

Schöner kann man wohl nicht ausdrücken, dass dieser Tropfen zu jeder Gelegenheit genau das Richtige ist.

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